Silberbecher und -pokale

Ein Becher ist ein Trinkgefäß zumeist mit zylindrischem Korpus, mit oder ohne Fuß oder Henkel. Ferner finden Sie hier besondere Silberbecher, beispielsweise Römer (Weinbecher) oder Tummler. Becher aus Silber dienten zumeist der sozialen und fürstlichen Repräsentation, oder häufig auch als Geschenk (z.B. als Taufbecher).

Ein Pokal ist ein Trinkgefäß mit bauchiger Kuppa, einem hohen Schaft und Fuß. Der Pokal ist der profane Antipode zum kirchlichen Kelch. Er ist meistens aus Silber – sehr oft vergoldet – und diente zum Trinken des Weins. Ein antiker Silberpokal kann sehr reich dekoriert sein und eine naturalistische Form haben (z.B. Ananas-, Trauben-, Akeleipokal). 

Mehr Informationen über Becher und Pokale aus Silber

Trinkgefäße aus Silber wie Weinbecher wurden seit jeher mit Phantasie, handwerklichen Können und Schmuckfreude gestaltet. Man hat sie mit reicher Treibarbeit, Gravuren, z.T. mit Sprüchen, mit Emaille oder Edelsteinen geschmückt. Wir kennen luxuriöse Becher aus Silber seit der Antike. Becher sind wichtig nicht nur wegen ihres Wertes, sondern auch aufgrund ihrer sozialen, kulturellen und historischen Bedeutung.

Luxus im Silber

Luxus war immer wichtig für das öffentliche und private Leben. Im 16. und 17. Jahrhundert war Silberluxus besonders bedeutend und zwar auch wegen des zunehmend importierten Edelmetalls aus Südamerika. Die Höfe konnten so ihren Besitz an prunkvollen Goldschmiedewerken vervielfachen. Die großformatigen Silberobjekte waren im Wesentlichen Schauobjekte. Solche Silbergegenstände wurden zu einem Schaubuffet dekoriert. Während eines festlichen oder offiziellen Banketts wurden Silberobjekte von dort entnommen, um vorübergehend an der Tafel platziert und verwandt zu werden. Becher aus Silber, Pokale, Platten hielten einen zentralen Platz.

Mahlsitten, Weinbecher und Silber

Das gemeinsame Mahl und der feierliche Trunk waren bedeutend zum zeremoniellen Brauchtum. Sowohl im öffentlichen (Stadt, Zunft) als auch im privaten (Sphäre des Adels oder Patriziers) Bereich wurde der Gast aus verschiedenen Anlässen mit einem Umtrunk begrüßt. Zu dieser Gelegenheit wurde oft das sog. „Willkomm“ Trinkgefäß verwendet. Weinbecher aus Silber und zahlreiche Nürnberger und Augsburger Pokale sind somit Zeugen fröhlicher oder feierlicher Begebenheiten. Viele Silberbecher und Pokale sind einmalige, zu besonderen Anlassen geschaffene und erworbene Silbergegenstände.

In einer engen Beziehung zu den Trinkgefäßen stehen auch die Getränke. Im Vordergrund steht der Wein, der seit der Antike angebaut wurde. Danach folgt das Bier, ein ursprünglich für die germanischen Länder typisches Getränk. Später kamen in Europa die warmen Getränke wie der Tee, der Kaffee und die Schokolade hinzu.

Darüber hinaus galten Trinkgefäße als erstklassige Geschenke. So entstand der Bedarf an prunkvollen und schön geschmückten Bechern und Pokalen. Typische Geschenke in diesem Sinne sind auch die silbernen Taufbecher.

Augsburger und Nürnberger Silberbecher

Nürnberg und Augsburg waren seit dem Mittelalter Zentren der deutschen Goldschmiedekunst in Süddeutschland. Auch in England, Frankreich und viele andere Orte Europas nehmen sowohl Silberbecher als auch silberne Pokale unterschiedlicher Formen, typisch für jede Landschaft.

Profane Trinkbecher besitzen im 15. und 16. Jahrhundert noch zurückhaltende Formen und oft schlichte, dekorative Motive (meist Friese unterhalb des Mundrandes und am Fuß). Typisches Renaissanceornament ist das Maureskenwerk, welches durch die islamistische Ornamentik beeinflusst ist. In der Spätrenaissance kommen die Einflüsse der flämischen und niederländischen Ornamentkunst hinzu (z.B. das Rollwerk).

Im 17. Jahrhundert entwickelt sich darüber hinaus der sog. Knorpelstil oder Ohrmuschelstil (Masken mit grotesken Gesichtszügen). Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-48) entstehen dekorative Elemente wie Pflanzen und Blumen. Diese sind sowohl als Gravuren als auch als getriebene Ornamente auf Silberbechern zu finden. Auch Becher aus Silber mit gravierten Landschaften sind in Nürnberg und Augsburg verbreitet.

Das 18. Jahrhundert brachte starke Einflüsse aus Frankreich (z.B. der Régence und Rokoko Stil sowie der Klassizismus in der zweiten Hälfte des 18. Jhs.). Im Übrigen hatte man im 18. Jahrhundert für Trinkgefäße wie für andere Teile des Tafelsilbers (z.B. Terrinen, Silberteller und Platten) den Anspruch, sie einheitlich in Form und Dekor mit dem anderen Tafelgeschirr abzustimmen.

Spezialformen silberner Becher

Neben den gängigen Formen des Bechers, wie diese mit leicht konischer oder gerader Cuppa oder die Tulpenform gibt es im Silber Spezialformen. Eine dieser Formen ist beispielsweise der Weinbecher, der auch Römer genannt wird. Römer sind Becher, die besonders im späten 16. und im 17. Jahrhundert hergestellt wurden. Es gab diese Becher sowohl aus Silber als auch aus Glas.

Ein besonderer Typus ist der Häufebecher (auch Satzbecher). Dabei handelt es sich um relativ niedrige Becher aus Silber mit rundem, angezogenem Boden und einem Fußrand. Sie wurden als Satz von sechs oder zwölf konzipiert und konnten ineinandergesteckt werden. Diese Becherform war zumeist in Nürnberg und in der Schweiz verbreitet.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam ein kleinerer, runder Silberbecher auf, der sog. Tummler. Ursprünglich hatte dieser Becher keine Stellfläche und konnte sich deswegen aus einem bestimmten Neigungswinkel selbstständig wieder aufrichten. Später stellte man einen flachen Boden her.

Silberpokale aus Augsburg und Nürnberg

Pokale als Trinkgefäße bestehen aus Fuß, Schaft und Cuppa und haben eine repräsentative oder zeremonielle Funktion. Dies können kleine Pokale oder größere, imposante Objekte sein. Ein Doppelpokal aus Silber ist aus zwei Pokalen zusammengesetzt, deren Lippenränder ineinandergesteckt werden.

Deutsche Pokale haben Anfang des 15. Jahrhunderts eine relativ einfache Form mit gewölbtem Boden und sind oft hoch und schlank. In der zweiten Hälfte des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts erscheint die Cuppa des Pokals in unterschiedlichen Formen und reich mit Gravuren, Treibarbeit oder Ätzungen dekoriert. Allgemein sind Pokale für das 16. und 17. Jahrhundert charakteristisch.

Seit dem 14. Jahrhundert und allmählich zunehmend waren auch Pokale mit Silberfassung und natürliche Materialien – wie Straußenei, Kokosnuss und Muschel (für Turbo- und Nautilus-Pokale) beliebt. In Deutschland wurden Muschel-Pokale relativ häufig produziert. Auch ihre Variante mit einer silbernen, muschel-förmigen Cuppa kommt bei Augsburger Pokale vor.

Im deutschen Kulturraum sind seit dem 16. Jahrhundert auch Schiffe (nef) als Pokale bekannt. Schiffe wie auch Tischbrunnen, Automaten und Trinkspiele waren ein Status-Symbol für ihren Besitzer. Überdies auch ein exzeptionelles und rares Stück, welches zur lebhaften Diskussion und Unterhaltung diente.

Eine sehr besondere Dekoration von Silberpokalen kommt immer wieder vor. Die Dekoration von Pokalen und Bechern mit Münzen oder Medaillen war in der Renaissance verbreitet. Die Münzen sind meistens eingelassen in den silbernen Korpus. Diese Technik finden wir in Norddeutschland und Skandinavien auch im 17. und 18. Jahrhundert.

Zusammenfassend zeigen Silberbecher und Pokale mit feinen Gravuren, Landschaften und sorgfältiger Treibarbeit die künstlerischen Entwicklungsmöglichkeiten der plastischen Treibarbeit, der Gravur sowie anderer Techniken. Die dekorierten Felder spiegeln auch die thematischen Präferenzen der Auftraggeber und Käufer wider: Darstellungen aus der antiken Mythologie, Landschaften, Tugenden, Jagdszenen und viele andere Themen.

Silberbecher bei Helga Matzke

Der Kunsthandel Helga Matzke gibt Silberbechern und Pokalen einen sehr zentralen Platz in der Kategorie „Sammlungsstücke“. Wir versuchen immer schöne antike, silberne Becher und Pokale zu akquirieren und ihre Besonderheit kunsthistorisch und ästhetisch zu erfassen. Wenn Sie Fragen bezüglich unserer Silberbecher und Pokale haben, können Sie uns gerne jederzeit ansprechen. Wir freuen uns auf den kreativen Austausch mit Ihnen!

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