Grosser Münzdeckelbecher, Silber Teilvergoldet

Objektnummer: #236

Berlin ca. 1750
Meister: Christoph Friedrich Oelrichs

Beschauzeichen: ein Bär in einem runden Schild für Berlin, erste Hälfte des 18. Jahrhunderts (Rosenberg 1922, Nr. 1149)
Meisterzeichen: „OELRICHS“ in einem rechteckigen Schild für Christoph Friedrich Oelrichs (Scheffler 1968, Nr. 156)
Repunze: „E“ für Krakau, 1806

Höhe: 32,5 cm (12,5 in.); Gewicht: 1.450 g.

Detaillierte Informationen

Lit./Abb.: Kriegseisen, Jacek, ‘Podróżny komplet sztućców wykonany przez Johanna Bartolomowicza – złotnika z Lidzbarka Warmińskiego’, p. 93-104 In: Kwartalnik Historii Kultury Materialnej, year LXIII (63rd), Nr. 1, Warsaw 2015, Abb. 12, S. 101

Der vorliegende Becher hat ausgewogene Proportionen, eine sehr gute Bearbeitung des Fußes und des profilierten Lippenrandes, tief eingezogenen Kehle unterhalb des ausladenden Deckelwulstes und der glatten Mittelfläche des Deckels über einer zarten Kehlung. Er steht auf einem runden, gewölbten und profilierten Fuß, der vergoldet und verziert ist mit silbernen Münzen. Ein glatter, profilierter Ring verbindet Fuß und Korpus. In der Becherwandung sowie in den Wülsten von Fuß und Deckel insgesamt 72 Groschenmünzen von Brandenburg-Preußen und Polen, meist aus dem 2. Viertel des 16. Jahrhunderts. Die silbernen Münzen des vergoldeten Korpus sind umfangen von einem dichten Netzwerk getriebener und ziselierter Rocaillen über einem punzierten Grund. Der Deckel ist sehr prachtvoll gestaltet: Gewölbt, mit Münzen und getrieben Rocaillen geschmückt. Über dem Taler im Deckel tragen drei gegossene und ziselierte Doppel C-förmige Spangen – die eine Art von Baldachin gestalten – einen kräftigen, gegossenen, und von Kelchblättern umhüllten, Fruchtzapfen. Im Boden und in der Mitte des Deckels je ein Taler der Markgrafen Georg der Fromme (1484-1543) und Albrecht II. Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (1522) aus den Jahren 1540 und 1541 (sie haben gemeinsame Münzen bis 1545 geprägt).

Dieser große Becher präsentiert sich als ein prachtvolles und bedeutendes Objekt der Goldschmiedekunst. Aus seiner Qualität und Ausführung kann man vermuten, dass er ein repräsentatives Schaustück war.

Nach der Zeitbestimmung müsste der Becher kurz vor dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) oder zu Beginn entstanden sein. Zu dieser Zeit waren alle Geld- und Währungsreserven von Preußen verbraucht oder auf das Äußerste angespannt. An Fuß- und Deckelrand befindet sich eine österreichische Repunze „E“ für Krakau (Krakau gehörte damals zum Kaisertum Österreich), ein Nachweis, dass der Becher 1806 dort besteuert wurde.

Münzobjekte der Deutschen Silberschmiedekunst

Münzen für die Dekoration von Objekten aus Silber wurden seit der Mitte des 17. Jahrhunderts gerne benutz und seit dem Ende dieses Jahrhunderts Jahrhunderts gewann das Münzdekor eine große Verbreitung. Diese Dekoration war besonders beliebt für Trinkgefäße aller Art (Becher, Humpen, Trinkschalen). Die Goldschmiede aus Brandenburg-Preußen und insbesondere aus Berlin und Königsberg zeigten eine besondere Neigung zu dieser Art der Herstellung von Gefäßen aus edlem Metall.

Meister: Christoph Friedrich Oelrichs geboren ca. 1720. Er wurde 1750 Amtsmeister; 1771 führt er die Kasse (Kirchner). 1773-1786 war er Taxator des Silbers und Goldes. Er ist am 10.5.1786 gestorben.