Antikes Silber sammeln

Die Anwendungen von Silber

Silber genauso wie Gold wurde als ein Edelmetall immer für verschiedene Anwendungen verwandt. Man hat seinen Körper geschmückt mit Juwelen. Man hat das Metall zur Herstellung unterschiedlicher, religiöser Gebrauchsgegenstände verwendet, die Gott in einer symbolischen Weise verherrlichten. Geld wurde aus Silber geprägt. Einzigartige Gefäße und dekorative Objekte aus Silber waren außerdem auf kaiserlichen, fürstlichen und bourgeois Galadinner Tischen zu finden. Silber war auch ein Material zur Herstellung von Kunstgegenständen, wie beispielsweise kleinere Skulpturen und Buchdeckel, während Kleider, Möbel und Tafelobjekte aufwendig und besonders mit Silberarbeiten verziert wurden.

In vielen Fällen wurden funktionale Objekte wie Becher, Humpen, Kannen und Becken so kunstfertig hergestellt, dass sie als Sammlungsstücke bzw. Kunstwerke betrachtet und gesammelt wurden. Oft wurden Aufträge an bekannte Meister für besondere Kreationen vergeben. Solche Silberobjekte dienten dann unterschiedlichen Zwecken: gedenkend, feierlich, widmend, oder repräsentierend.

Silber sammeln

Über Jahrhunderte hinweg haben bekannte Sammler eine besondere Reputation bezüglich ihrer Sammlungen aus Silber, Silber vergoldeten und Objekten aus Gold aufgebaut. Könige wie Ludwig XIV., Kaiserinnen wie Katharina die Große, Kriegshelden wie Duke of Wellington und Bankiers wie die Rothschilds sind nur einige berühmte Sammler von exzeptionellen, silbernen Gegenständen.

Abgesehen von der Tatsache, dass Silber ein Edelmetall ist, wurden die Silberobjekte immer wegen ihrer handwerklich hohen Qualität geschätzt. Insbesondere seit der frühen Epoche der Industrialisierung haben Gegenstände aus Silber an Bedeutung gewonnen aufgrund ihrer kunsthandwerklichen und künstlerischen Ausführung. Außerdem haben neue Techniken und ästhetische Stile dazu beigetragen, dass Silberobjekte und Kunstwerke aus Silber immer attraktiv für ein gebildetes, aristokratisches und wohlhabendes Publikum waren.

Das zunehmende Interesse für frühere historische Epochen, wie die Renaissance, sowie der Boom der Weltausstellungen – organisiert in Europa und in der Welt seit 1851 (in London das erste Mal) – repräsentierten den entsprechenden Zeitgeist für die Entwicklung von Silbersammlungen in den vorherigen zwei Jahrhunderten. Gleichzeitig signalisieren die Weltausstellungen die Entwicklung des Designs – und Silberobjekte waren und sind immer noch für ihr fantasievolles Design bekannt.

Wichtige Silbersammler

In diesem Kontext des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gab es in Europa mehrere wichtige Sammler, die bezüglich Ihren Silbersammlungen sehr bekannt waren.. Oft wurden die Silberobjekte in einem historisierenden Ambiente präsentiert. Solche Sammler waren eine Referenz für die Kunstwelt und prägten den Geschmack für viele Sammlungsstücke.

Einer der einflussreichsten und weltbekannten Sammler, wohnhaft in München, war der Deutsche Mathematiker jüdischer Herkunft Alfred Pringsheim (1850-1941) – Schwiegervater des Schriftstellers Thomas Mann (1875-1955). Alfred Pringsheim war nicht nur Sammler, sondern ein Kunstliebhaber, der sehr sorgfältig Silber, Majolika, Gemälde und andere Kunstwerke ankaufte. Seine Silbersammlung – mit etwas mehr als 100 Stücken – wurde sehr geschmackvoll präsentiert und zeigte seine besondere Liebe für seltene, europäische Stücke, mit einer Präferenz für Kunstobjekte der Renaissance.

Die wundervollen Objekte der Alfred Pringsheim Sammlung erlebten alle ein abenteuerliches Schicksal während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkrieges. Beschlagnahmt von der Gestapo, akquiriert vom Bayerischen Nationalmuseum und letztendlich nach dem zweiten Wektkrieg restituiert zu den Pringsheim Erben sind diese Kunstgegenstände inzwischen in verschiedenen Sammlungen und Museen verstreut. Im Laufe der Jahre sind verschiedene Silberobjekte aus der Pringsheim Sammlung auch durch unsere Hände gegangen. So konnten wir kürzlich einen Renaissancebecher aus Nürnberg an ein bedeutendes deutsches Museum übergeben.

Silber in zeitgenössischen Sammlungen

Sammler wie Pringsheim zeigen uns den besonderen Wert von Silberobjekten; diese wurden seit der Antike kontinuierlich geschätzt. Silbersammlungen wurden außerdem sehr unterschiedlich verwahrt. Hinter absolut verschlossenen Türen; zugänglich für nur ganz wenigen Menschen; geschlossen in Wunderkammern und Silbergewölben; für Publikum ausgestellt in einem vorsichtig gestalteten Rahmen, usw.

Was Alfred Pringsheim uns gegenwärtigen, Silberbegeisterten lehrt ist: Wenn man mit seinen Kunstwerken in einem persönlichen und speziell geplanten Environment lebt, dann kann man diese Objekte noch mehr schätzen und sich in ihre Biografie vertiefen. Gegenwärtig finden wir häufig Crossover-Sammlungen – das Alte existiert harmonisch mit dem Neuen – und das ist eben das spannende „neue Leben“ in der Biografie von Silberraritäten. Diese Silberraritäten bleiben immer rar und wertvoll.

Auf dieser Website finden Sie ausgewählte Objekte deren individuelle Geschichte dargestellt wird. Sie sind bereit um in neuen, kontemporären und besonderen Sammlungen integriert zu werden.

Ausgewähltes Literaturverzeichnis

  • Busch, Jason T. & Futter, Catherine L. (Hrsg.), Inventing the Modern World: Decorative Arts at the World’s Fairs, 1851-1939, Kat. Ausst. Carnegie Museum of Art/The Nelson-Atkins Museum of Art, Carnegie Museum of Art &Skirra Rizzoli: New York, 2012.
  • Brucculeri, Antonio, ‘Le néo-Renaissance en France et la Haute Banque: Habiter et collectionner entre les années 1830 et 1880’ in MDCCC 1800, vol. 5, 2016, p. 45-70.
  • Prevost-Marcilhacy, Pauline (eds.), Les Rothschild, une dynastie de mécènes en France, 3 vols., Paris: Somogy/BNF/musée du Louvre, 2016.
  • Seelig, Lorenz, Die Silbersammlung Alfred Pringsheim, Riggisberg: Abegg-Stiftung, 2013.
  • Seelig, Lorenz, ‘The Art Collection of Alfred Pringsheim (1850–1941)’ in Journal of the History of Collections (online), 2016.