• silver, royal, Hanover, George III

Zwei Paare königliche Saucieren aus dem Haus Hannover jeweils mit Servierkelle, Silber

Objektnummer: # 809

Hannover, ein Paar 1766 und das zweite 1779
Franz Peter Bunsen (ca. 1725-1795)

Stadtzeichen: Kleeblatt mit der Zahl “15” für Hannover (s. Scheffler, Nr. 1385).
Meisterzeichen: “BUNSEN” in einem Rechteck für Frantz Peter Bunsen (s. Scheffler, Nr. 1384).
Jahreszahlen: D [für 1766; s. Scheffler, S. 714 und Nr. 1381] und E [s. Scheffler, S. 714].
Gravur: Monogramm von George III.
Provenienz: Königliches Haus Hannover – Haus der Welfen.

Länge: 23,5 cm (9 1/4 in.); Gewicht: 1470, 5 g. und 1471 g.

Detaillierte Informationen

Diese zwei Paare wunderbarer Rokoko Saucieren waren Teil eines königlichen Auftrags.
Die Saucieren haben die Form eines Schiffes und sehr elegante, wellenförmige Ränder. Der Korpus steht auf drei gegossenen Füßen, geformt wie Äste. Diese sind sehr realistisch ausgeführt und an der Verbindung zwischen Fuß und Korpus sind gegossene Blumen aufgesetzt. Eine getriebene Muschel, sehr lebendig gearbeitet, bildet das Heck der Sauciere. Der gegossene und ohrenförmige Griff wurde auf das Heck aufgesetzt. Der Bug dient auch gleichzeitig als Ausguss und ist sehr schön, mit aufgesetztem, gegossenem Blattwerk geschmückt. Auf der unteren Seite des Bugs ist das Monogramm „GR/III“ unter Krone graviert; dies entspricht dem Monogramm des George III. Wilhelm Friedrich (1738-1820), König von Großbritannien und Irland und Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg. Beide Paare kommen zusammen mit ihrer Servierkelle, die eine „Fiedel- und Fadenmuster“ Verzierung aufweist. Alle Teile sind mit dem Monogramm des George III. versehen (vergl. Seelig 2007, S. 159, Abb. 22).

Das Silber der Welfen

Das Haus der Welfen besaß immer erhebliche Schätze aus Silber. Das Rohsilber wurde zum erheblichen Teil im nahegelegenen Harz gewonnen. In Juli 1768 genehmigte George III. das Einschmelzen von circa 126 Kilo Tafelsilber. Die Teile, die für diese große Aktion ausgewählt wurden, entsprachen nicht mehr dem Stil der Zeit. Rund ein Drittel der Sammlung wurde eingeschmolzen. Ursprünglich sollte der Erlös für soziale Zwecke eingesetzt werden. Man hatte daher zunächst nicht die Absicht, ein neues, modisches Service in Auftrag zu geben.

Dennoch wurde 1770 der Plan geboren, ein neues Silberservice in Auftrag zu geben, welches der modischen Stilrichtung des 18. Jahrhunderts entsprechen sollte. Für dieses neue Service wurde entschieden, auch die Anzahl der Saucieren zu erhöhen. Allumfassend kann man davon ausgehen, dass das Service für 60 bis 72 Personen bestimmt war und in 15-lötigem Silber hergestellt wurde (d.h. 937,5/1000 Silber, was das englische Standard von 925/1000 Silber entsprach).

Franz Peter Bunsen, Hofgoldschmid, hatte den Auftrag des Monarchen zur Herstellung dieses Services erhalten. Gerechnet wurden circa vier Jahre für seine Herstellung. Aus den relevanten, noch erhaltenen Archivalien ergibt sich, dass George III. – der Hannover nie besucht hatte – bei allen Phasen der Herstellung des Services eingebunden war. Sehr wichtig für ihn war, ein „service à la française” produzieren zu lassen, da Diners dieser Art den Repräsentationsansprüchen entsprachen.
Aus diesem Grund wurde neu entschieden, den Auftrag hauptsächlich einem französischen Goldschmied zu erteilen. Robert Joseph Auguste (1723-c. 1805) hat daher einen großen Teil des Services hergestellt. Allerdings hat Franz Peter Bunsen auch an diesem Service gearbeitet, um notwendige Ergänzungen zu fertigen. Das ganze Service wurde 1790 fertig, gleichwohl wurden auch in den nächsten Jahren immer wieder Ergänzungen angefertigt.

Das sogenannte „A“ Service wurde 1841 nach dem Tod des George III. mit seinem Monogramm versehen. Diese Entscheidung traf dessen Sohn, Ernst August I. (1771-1851), seit 1837 König von Hannover und Herzog von Braunschweig-Lüneburg, der in Hannover lebte. Johann Carl Matthias hat 2.226 Teile dieses Services mit dem Monogramm von George III. geschmückt.

Nach dem Beitritt des Hauses Hannover 1714 neigten britische Monarchen eher dazu, ihre königlichen Monogramme als persönliches Symbol zu benutzen. Dies stellte einen Unterschied zu früheren Zeiten dar; bis dahin wurden hauptsächlich Wappen benutzt. Monogramme wurden dann mit der Krone versehen.

Saucieren gab es seit dem Mittelalter, aber ihre eigentliche Form hat sich im frühen 18. Jahrhundert gebildet. Großen Einfluss auf diese Entwicklung hat der Hof von Versailles ausgeübt. Saucieren wurden meistens in Paaren oder in zwei Paaren hergestellt, um warme Saucen zu servieren.

Meister: Franz Peter Bunsen (Bundsen), in Hannover ca. 1725 geboren, wurde im Jahr 1754 Meister. Er war seit 1770 Hofgold- und Silberschmied. Zwei spektakuläre Objekte aus Silber von Franz Peter Bunsen, zwei königlichen Trommeln für die Wärter von George III. hergestellt, sind im Metropolitan Museum of Art, New York, erhalten. Weitere Werke vom ihm befinden sich im August-Kestner-Museum sowie im Historischen Museum Hannover.

Literatur
Seelig, Lorenz, ‘Das Silberservice König Georgs III. Von Robert-Joseph Auguste und Frantz Peter Bundsen. Zur Goldschmiedekunst des frühen Klassizismus in Paris, London und Hannover’, In: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst, 3. Folge, Bd. LVIII, München: Staatliche Kunstsammlungen & Zentralinstitut für Kunstgeschichte, 2007, S. 141-207.
Scheffler, Scheffler, W., 1965, Goldschmiede Niedersachsens: Daten – Werke – Zeichen, 2. Halbband, Aerzen-Hamburg, Berlin: De Gruyter.
Waldemar R. Röhrbein: Bunsen, Peter Franz. In: Hannoversches Biographisches Lexikon. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2002, S. 79.