• antique silver two-handled bowl and cover, Nuremberg 17th c.
  • silber Henkelschale, 17. Jh.
  • Henkel, Klauenfüße Silber

Silber, teilweise vergoldete Henkelschale (Wöchnerinnenschüssel)

Objektnummer: #358

Nürnberg um 1676
Hans Nicolaus Müllner

Beschauzeichen: „N“ im Rund für Nürnberg um 1676 (Rosenberg, Nr. 3761; Nürnberger Goldschmiedekunst 2007, Nr. 25)
Meisterzeichen: Eine Windmühle im Schild, Hausmarke für den Meister Hans Nicolaus Müllner (Rosenberg Nr. 4258; Nürnberger Goldschmiedekunst, Nr. 599)
Punktgravur: „E. DSH. Johan Haller. Ao 1678“

Breite mit Henkeln: 28 cm (11,02 in.); Höhe: 14 cm (5,5 in.); Gewicht: ca. 900 g

Detaillierte Informationen

Silber, teilweise vergoldete Henkelschale („Wöchnerinnenschüssel“)

Die flachbodige Henkelschale mit Deckel ruht auf drei Klauen-und Kugelfüßen. Die Wandung ziert in dicht gedrängter Fülle ein sehr stark plastisch getriebenes Relief mit großen – teilweise weißsilbern belassenen Blattknospen und Barockblumen, die in hochgezogenen Bandschleifen enden. Den flach aufgewölbten Deckel schmückt der gleiche Dekor. Um seinen Mittelbuckel sind drei Kugelfüße aufgesetzt, die es erlauben, den Deckel umgedreht als Teller zu benutzen. Zwei seitig aufgesetzte Knorpelwerkhenkel.
Punktgravur am Lippenrand: „E. DSH. Johan Haller. Ao 1678“. Vielleicht handelt es sich bei Johann Haller um den Diplomaten und Schriftsteller Johann (XII) Freiherr Haller von Hallerstein (1626-1697), Abkömmling der Nürnberger Patrizierfamilie Haller.

Wöchnerinnenschüssel aus Silber

Die vorliegende silberne Henkelschale  hat sowohl einen historischen und kunstgeschichtlichen Wert als auch einen Gebrauchs- und Symbolwert. Schüsseln ähnlicher Form werden in Bild- und Schriftquellen seit der Renaissance erwähnt.

Der Name dieses dreibeinigen Gefäßes (sog. “Wöchnerinnenschüssel”), entwickelte sich aus dem Gebrauch als Wöchnerinnenschüssel oder Wöchnerinnenterrine oder auch „Godenschüssel“ (vom altertümlichen Wort „God“, das im Dialekt Pate bedeutet).

Die Deckelbekrönung war oft bei Wöchnerinnenschüssel ein Vogel oder eine Krone, um ein Hochzeitsgeschenk anzudeuten. Eine Inschrift, Datierung oder Monogramme – wie im Fall des vorliegenden Gefäßes – deuten in einer besonderen Weise ein solches Ereignis an. Unter diesem Aspekt sollte man dann einen symbolischen Wert der Schüssel erkennen: das geschenkte Hochzeitsobjekt weist auch darauf hin, was man von der Braut erwartete, nämlich Nachkommen zu produzieren.

Breigefäße wurden in wohlhabenden Familien benutzt und waren aus Metall zumeist Silber hergestellt. Sie hatten oft aus praktischen Gründen zwei waagerechte Griffe oder Ohrenhenkel, die es ermöglichten, die Schüssel in ein größeres Gefäß einzuhängen, damit der Brei im heißen Wasserbad warmgehalten wird (s. Spies 1978:19). Der Griff des Gefäßes ist hohl, um zur Isolierung der Hitze ein kleiner hölzerner Stiel einfügen zu können. Volkstümliche Formen solcher Gefäße wurden auch aus Zinn oder Keramik hergestellt.

Meister

Hans Nicolaus Müllner wurde 1644 Meistre und starb 1688. Bedeutende Werke von diesem Meister befinden sich in Museen weltweit und in privaten Sammlungen. Müllner hat weitere ähnliche Schüsseln hergestellt, die sehr typisch für ihn sind. Ein beindruckender Humpen vom Müllner ist im Metropolitan Museum New York zu sehen. Dieser zeigt die gleichen Klauen-und-Kugelfüßen wie auf dem vorliegenden Objekt.

Literatur

Nürnberger Goldschmiedekunst 2007.-Nürnberger Goldschmiedekunst 1541-1868: Bd. 1: Meister, Werke, Marken. T. 1 Textband – T. 2 Tafeln; Bd. 2: Goldglanz und Silberstrahl: Begleitband zur Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, 20.09-2007-13.01.2008
Rosenberg, Marc, Der Goldschmiede Markzeichen, Bd. III: N-Z, Frankfurt a. Main: Frankfurter Verl.-Anst., 1925