• Silberbecher Siebenbürger 17. Jh.

Silber, teil-vergoldeter Siebenbürger Pfauenaugenbecher

Objektnummer: #265

Siebenbürgen, 1687
ohne Marken
Gravur in Medaillon
Höhe: 10,3 cm (4,05 in.); Gewicht: 137 g

Detaillierte Beschreibung

Siebenbürger Silberbecher des 17. Jahrhunderts

Der vorliegende Silberbecher ist ein sehr schönes Trinkgefäß aus Siebenbürgen. Er hat eine zylindrische Form und einen getriebenen, leicht ausgestellten Lippenrand. Der Fuß steht auf leicht angezogenem Boden. Die Wandung des Korpus ist oben und unten mit gravierten, vergoldeten Ringen begrenzt. Diese betonen die besonders schöne, gravierte, in weißem Silber belassene Dekoration: der sogenannte Pfauenaugendekor in den Reihen versetzt, eine Variante des Schuppenmusters. Oben mittig und gleich unter dem letzten Ring des Lippenrandes befindet sich in einem Medaillon mit Lotusblumenkranz die Gravur „Epeyesi Gergely Tengely Kata“ unter vergoldetem Hintergrund und die Jahreszahl „1687“. Der Becher trägt innen die originale Vergoldung.

Kontext und Entstehung des Bechers

Der Becher hat zwar keine Marken aber sowohl sein Typus als auch sein Dekor lassen auf den Entstehungsort schließen. Die Gravur mit dem Namen und die Jahreszahl helfen weiterhin, um den Becher noch besser chronologisch und geografisch einzuordnen.

Mehrere erhaltene Beispiele von sehr ähnlichen Bechern in öffentlichen und privaten Sammlungen erlauben die geografische Zuschreibung des Bechers nach Siebenbürgen. Bereits zwei Becher in den Sammlungen des The Metropolitan Museum of Art (the Salgo Trust for Education New York) zeigen den gleichen Bechertypus: zylindrischer Korpus, leicht ausgestellter Lippenrand und Wandung, dekoriert mit aufwendigem, prachtvollem, graviertem Dekor.

Die zwei Beispiele in The MET zeigen einmal einen Wellendekor (s. The MET, Accession Number: 2010.110.28) und einmal einen Schlangenhautdekor (s. The MET, Accession Number: 2010.110.36). Ein drittes Beispiel, welches auch den seltenen Pfauenaugedekor aufweist ist in der Sammlung Heller, abgebildet in der Literatur (s. Heller, Ungarische und siebenbürgische Goldschmiedearbeiten vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Kat. Nr. 99, T. XXIXb).

Der sog. Pfauenaugendekor ist wie andere dekorative Muster aufgebracht, um auch den besseren Griff des Bechers beim Essen zu erlauben. Das Muster von Pfauenauge und das des Pfaus sind besonders beliebt in der Kunst aus Siebenbürgen und Ungarn – bereits in der Volkskunst. Symbolisch betrachtet ist dieses Muster in einem christlichen Zusammenhang zu sehen: aus einem alten Glauben, dass der Leib des Pfaus nach dem Tod nicht verweist, symbolisiert das Pfaumuster die Auferstehung Christi. Das Pfauenauge ist übrigens an sich ein Symbol der exotischen Schönheit.

Die Gravur auf dem vorliegenden Becher weist weiterhin auf entweder den Besitzer des Bechers oder den Auftraggeber hin. Die Person hat entweder den Becher einer Zunft gestiftet oder an jemandem verschenkt oder auch für sich selbst hergestellt. Dieses deutet darauf hin, dass der Auftraggeber einem gehobenen Stand der Gesellschaft angehörte. Die Jahreszahl dient als ein sicheres terminus ante quem für die Entstehung des Bechers. Er ist im Jahr 1687 entstanden; allerdings wird dieser Dekor seit der Renaissance verwendet.

Literatur

Heller, István, Ungarische und siebenbürgische Goldschmiedearbeiten: vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, München: Hirmer Verlag, 2000.
Koeppe, Wolfram, “Hungarian Silver.” In Heilbrunn Timeline of Art History. New York: The Metropolitan Museum of Art, 2000–. http://www.metmuseum.org/toah/hd/hung/hd_hung.htm (February 2016).