Trinkschale mit zwei Henkeln, Silber teilvergoldet

Objektnummer #385

Brig, datiert 1664

Anton Tuffitscher

Beschauzeichen: an eagle for Brig (so as on the coat of arms of the city) (s. Ruppen, T. I, S. 430, Nr. 11 und Ackermann-Kuonen et al., 2015, T. II, Nr. 3).

Meisterzeichen: “AT” ineinander ligiert für Anton Tuffitscher (s. Ruppen, T. I, S. 430, Nr. 11 und Ackermann-Kuonen et al., 2015, T. II, Nr. 3 und T. I).

Länge: 18 cm (mit den zwei Henkeln); Gewicht: 171 g.

Detaillierte Informationen

Trinkschale mit zwei Henkeln, Silber teilvergoldet

Die runde Trinkschale steht auf einem niedrigen Fuß und hat seitlich zwei Henkel, getrieben mit Früchten und mittig einen Puttokopf. Im inneren ist die Schale in neun getriebenen Felder mit großen, runden Buckeln aufgeteilt, dazwischen kleinere Wölbungen, ähnlich einem Perlendekor. Mittig auf dem Boden ein gedrehter, äußerer Ring und weiter nach innen ein getriebener Ährenkranz. Zwischen Ring und Kranz folgende gravierte Inschrift: „Weibel Pfaffen Hat Mich Lassen Machen in Jar 1664 Siner Ehegemahel Maria Gergien Zu Einem Neiwen Jar.“ Die Marken auf der Außenseite des Bodens ligiert. Die Schale ist wechselnd vergoldet.

Diese Trinkschale präsentiert einen verbreiteten Typus in der Schweiz: gewölbter Boden mit kreisrunden Vertiefungen. Die Schale geht wohl auf Vorbilder des 15. Jahrhunderts zurück, die aus Burgund oder den Niederlanden stammen. Bekannt wurden solche Trinkgefäße in der Schweiz als Beutestücke bei den Kriegen 1476/77 gegen den Burgunderherzog Karl den Kühnen (1433-77).

Historische und kulturgeschichtliche Betrachtungen über Brig (Schweiz/Kanton Wallis) und Provenienzangaben zur Trinkschale

Die Goldschmiedetätigkeit lässt sich in Brig seit dem 17. Jahrhundert nachweisen (Lanz 2004: 21).

Peter Pfaffen lässt sich durch seine Wappenscheibe im Finnubielhaus im Dorf Finnu (Finnen) der Gemeinde Eggerberg (Bezirk Brig) nachweisen, die folgende Inschrift noch trägt: „Hr Peter Pfaffen Hauptmann des/ersten auf-Zugs [des] L[öblichen] Zenden Brÿg ietziger/Meier des Frigericht an Finden 1687“ (Geschichtsmuseum Sitten, s. Ackermann-Kunonen, et al., 2015: 50/51, Abb. 65). „Zenden“ oder „Zehnden“ (Fr.: dizain) war in der früheren Republik Wallis die Bezeichnung für die Bezirke.

Der Tod von Peter und Maria Pfaffen wurde in dem Buch von Kaspar Stockalper (1609-1691) dokumentiert.

Kaspar Stockalper war Sohn des Peter II. Stockalpers und war eine markante Persönlichkeit für Brig, bzw. Wallis – fast für das ganze 17. Jahrhundert. Peter Pfaffen steht möglicherweise mit ihm in einer beruflichen, bzw. amtlichen Beziehung in Zusammenhang. Kaspar Stockalper hat verschiedene Seiten des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens von Brig geprägt.

Als studierter Notar hat sich Kaspar Stockalper bereits als jüngerer Mann mit den öffentlichen Diensten in Brig beschäftigt. 1633 unternahm er eine Handels- und Studienreise ins Burgund, Frankreich, Belgien und in den Niederlanden. 1634 gelang es ihm die Prinzessin Marie-Marguerite de Bourbon-Soisson – Gattin des Prinzen von Savoyen – mit einem Gefolge von vier Prinzen und 50 Adeligen über den Simplon zu führen. Dies erbrachte ihm ein nicht unbedeutendes Vermögen sowie gute Kontakte zu anderen Fürstenhöfen Europas. In Folge seiner Leistung bekam er vom Mailänder Hof das Postprivileg von Mailand nach Brüssel. Einige Jahre später übernahm er von der Bürgerschaft Brig das abgewirtschaftete Eisenbergwerk in Grund. Nach 1640 wurde er auch mit der Politik beschäftigt. Er wurde Schatzmeister (Säckelmeister) und dann Financier der Bürgerschaft Brig und anschließend hat er verschiedene Ämter des Bezirks Brig gedient. Später war er auch in politischen und diplomatischen Missionen in Frankreich tätig. Parallel zu diesen Ämtern betrieb Stockalper Bergbau, Solddienst, Transit und erwarb somit mehrere Monopole, darunter das wichtigste: Salzmonopol. 1653 erhob ihn Kaiser Ferdinand III. in den Reichsritterstand, während andere Fürsten ihn ähnlich ehrten. Zwischen 1658 und 1678 hat er das größte, barocke Privatschloss seiner Zeit in der Schweiz gebaut. 1679-1685 war er nach Mailand geflüchtet. 1691 starb Kaspar Stockalper in Brig. Stockalper hat das Leben in Brig in verschiedenen Richtungen beeinflusst.

Meister

Anton Tuffitscher hat während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unterschiedliche kirchliche Geräte geschaffen. Diese befinden sich hauptsächlich in Brig (Kollegiums- und Klosterkirche) aber auch in anderen Orten im Bezirk Brig (z.B. in Termen und  in der Pfarrkirche von Münster, Goms).

Literatur

Lanz, Hanspeter und Schweizerisches Landesmuseum Zürich/Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.), Silberschatz der Schweiz: Gold- und Silberschmiedekunst aus dem Schweizerischen Landesmuseum, Karlsruhe: Info-Verlag, 2004.

Ackermann-Kuonen, Carmela, et al./Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.), Die Kunstdenkmäler des Kantons Wallis: Der Bezirk Brig, Bd. 4, Basel: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, 2015.

Garbely, Leo, ‚Die Pfarrkirche von Münster (Goms)‘, 47-74 In: Vallesia, Bd. IV, 1949.

Ruppen, Walter, Die Kunstdenkmäler des Kantons Wallis, Bd. 1: Das Obergoms, die ehemalige Großpfarrei Münster, Birkhäuser Verlag: Basel, 1976.

Imboden, Gabriel/Schweizerische Stiftung für das Stockalperschloss/Stadtgemeinde Brig-Gils (Hrsg.), Das Stockalperschloss in Brig, Bern: Gesellschaft für Schweizerisch Kunstgeschichte, 2005.