Schnupftabakdose (Tabatière) mit architektonischer Landschaft, Silber, teilweise vergoldet

Objektnummer # 363

Potsdam, um 1770

Christian Friedrich Müller

Beschauzeichen: gekrönter Adler mit Zepter und Schwert für Potsdam (Scheffler, Nr. 531b)

Meisterzeichen: „MÜL/LER“ für Christian Friedrich Müller (Scheffler, Nr. 545)

8 x 6,5 cm; Gewicht: 220 g

Detaillierte Informationen

Schnupftabakdose (Tabatière) mit architektonischer Landschaft, Silber, teilweise vergoldet

Diese rechteckige Potsdamer Schnupftabakdose, Silber, teilweise vergoldet ist mit typischen Rokokoornamenten geschmückt. Der Korpus ist an allen Seiten mit architektonischen Bauten dekoriert, möglicherweise angelehnt an das Schloss Sanssouci in Potsdam, und hat abgerundete Ecken. Der Scharbierdeckel ist mit einer aufgesetzten, reich dekorierten Platte aufwendig geschmückt. In einem Rokokorahmen mit Muscheln und Rocaillen wird bebaute Landschaft dargestellt. Diese zeigt möglicherweise die Communs beim Neuen Palais, bearbeitet mit reicher Treib- und Ziselierarbeit. Vorne Jagdtrophäen und ein Pfau. Die Tabatière ist gemarkt am Rand des Korpus.

Schnupftabakdosen der friderizianischen Zeit

Im frühen 18. Jahrhundert waren französische Tabatieren aus Gold, Silber, vergoldet und Email oder mit Edelsteinen geschmückte Dosen Mode auch in Deutschland. Diese wurden hauptsächlich für den Schnupftabak aber auch für die Aufbewahrung von Puder, Rouge, Pillen und Dragées benutzt.

Die Machtentfaltung Friedrich des Großen (1712-86) bedeutete eine zunehmende Entwicklung des Berliner Kunsthandwerks aber auch eine Einschränkung der Einfuhr von Galanteriewaren aus Frankreich. Das Ziel war, die lokale Produktion von Luxuswaren zu fördern. Friedrich selber genauso wie der Leiter der Meißner Porzellanmanufaktur Heinrich von Brühl (1700-63) besaßen beide eine sehr große Sammlung von Schnupftabakdosen.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde der Schnupftabak nicht nur eine interessante Einnahmequelle für den Staat (durch die Steuer), sondern seine Verwendung war auch ein wichtiges und raffiniertes, gesellschaftliches Ritual. Hierzu wurden sehr schnell entsprechende Accessoires entwickelt, die den Status und Geschmack der Schnupftabakbenutzer unterstützten. Die Goldschmiede und andere Künstler haben vor diesem Hintergrund fantasievoll ihr künstlerisches und handwerkliches Können entwickelt.

Schnupftabakdosen wurden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Dosen waren folglich Kostbarkeiten der galanten Waren und stellten deswegen gleichzeitig eine Wertanlage dar. Goldene Dosen – oft mit Edelsteinen dekoriert – wurden von Friedrich dem Großen als Geschenk an Offizieren vergeben.

Literature

Koch, Christina Ute, ‚Die Tabatièren Friedrichs II.‘, S. 116-127 In: Völkle, Michaela (bearb. von), Kronschatz und Silberkammer der Hohenzollern, Deutscher Kunstverlag GmbH: Berlin, München, 2010.