• Silberleuchter Kassel, 18. Jh.

Paar Silberne, oktogonale Standleuchter

Objektnummer: #719

Kassel: ca 1766, 1774
Meister: Isaak Baucair

Marken: BZ für Kassel: ein Schild mit Kleeblättern mit Jahresbuchstabe „I“. Das BZ stellt einen Schild, der von links oben nach rechts unten von einem silbernen Schrägbalken geteilt wird. Im Feld über dem Balken sind sechs, im Feld unterhalb sieben dreiblättrige Kleeblätter angeordnet. Der Buchstabe „I“ wurde in zwei unterschiedlichen Zeiten innerhalb der Periode vom 24.06.1766 bis zum 24.06.1789 angewendet. Hier handelt es sich wohl um das erste BZ aufgrund des Wappens (s.u.), Verwendungszeit: 1766-ca. 1774 (s. Neuhaus & Schmidberger 1998: Nr. 13a)
Meisterzeichen: Monogramm, „IB“ im geschweiften Schild für Issak Baucair (s. Neuhaus & Schmidberger 1998: Nr. 99a/S. 324).
Wappen: Haus von Stiernberg

Höhe: 21 cm (8.3 in.); Gewicht: jeweils 460 g

Detaillierte Informationen

Paar Silberne, oktogonale Standleuchter

Dieses Paar Standleuchter ist elegant verziert. Der in der Grundform achteckige, gegossene Fuß mit leicht profilierten Kanten weist ein diskretes Gewölbe auf. Seine acht Kanten werden durch ziselierte Lünetten geschmückt. Um die Spitze des Schaftes ist ein breiter, gelappter, ziselierter Fries aufgesetzt. Auf einer Seite dieses Dekors und des Leuchters ist ein graviertes Wappen des Hauses von Stiernberg angebracht. Der schmale Schaft ist schlicht durch acht Kanten dekoriert. Die Einschnürung des Schaftes mit dem Fuß wird durch dreireihige Ringe verziert. Ein fein gebogener Anschluss verbindet den Schaft mit dem oberen Teil der zylindrischen Tülle. Die Tülle weist einen kantigen, profilierten Rand mit einer Düse aus geprägten Dekormotiven in Form von Pyramiden auf.

Provenienz

Die Wappengravierung auf dem Fuß weist das Haus von Stiernberg auf. Das Wappen ist als gevierteltes Schild ausgeführt. Auf dem ersten und vierten Feld wird einen schreitenden Stier dargestellt, auf dem zweiten ein Turm und auf dem dritten Sterne. Auf dem Helm gibt es eine Krone und jeweils links und rechts vom Schild schreitende Stiere.

Laut dem großen Wappenbuch von Siebmacher hat die Familie von Stiernberg folgende Geschichte: „Volrad Stiern kam mit Landgraf Friedrich I. von Hessen, König von Schweden, nach Deutschland und wurde mit „von Stiernberg“ geadelt. Seine Nachkommen sind in Kurhessen ansässig und bedienstet.“ (Siebmacher : 27/Bd. 20). Die Familienreihe beginnt mit „Conrad (Kunz) Stirn (Stern)“, 1557/8 Bürger und Hofbesitzer in Homberg an der Efze. Das Familienmitglied des Hauses von Stiernberg Friedrich Wilhelm Stirn von Stiernberg (1738-1822) war ein Hessen-Kasselischer Oberst und persönlicher Adjutant des Landgrafen Friedrich II. Er nannte sich später ”von Stiernberg” (cf. Hessische Biografie). Sein Bruder Friedrich Carl Stiern (1750-1814) wurde schon als Fähnrich vom Kaiser Joseph II. d.d. Wien 13. Januar 1769 als Stiern von Stiernberg in den Reichsadelstand erhoben (Gundlach 1895: 56 & Stammtafel). Ihrer Vater Wolrad Stirn (1695-1763) war seit 1736 Kabinetts-Sekretär des Königs Friedrich I. von Schweden, Landgraf von Hessen-Kassel, danach Oberkammerrat und seit 1760 Geheimer Kammerrat (cf. Hessische Biografie).

Es könnte vermuten werden, dass die Leuchter anlässlich der Adels- und Wappenverleihungen von Friedrich Carl Stiern um 1770 graviert wurden.

Meister

Isaak Baucair, Goldarbeiter, geb. 10.09.1723 als ältester Sohn des in Metz geborenen Pierre Baucair. Lehre: Mitte April 1737-06.01.1742 bei seinem Vater; beginnt bei ihm am 09.03.1753 sein Meisterstuck und zeigt es am 23.06.1753 vor. Er wurde Meister im Jahr 1753. Als Gildemeister (24.6.1778-24.6.1785) zeichnet er mit K. Hofgoldschmied ab 1784. Gestorben am 25.03.1793.

Der Vater von Isaak Baucair, Pierre Baucair, kam aus Metz und wurde dort ausgebildet. Er war einer der bedeutendsten hugenottischen Goldschmiede Kassels der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Pierre Baucair erhielt spätestens ab 1740 und ab 1753 zusammen mit seinem Sohn Isaak zunehmend große Aufträge zur Anfertigung von Tafelsilber für den Hof (Neuhaus & Schmidberger 1998: 74).
Viele Gebrauchsobjekte sowie Tafelsilber aus den Händen Isaaks Baucair sind heute in den Staatlichen Museen in Kassel und in privaten Sammlungen erhalten.

Literatur

Gundlach, Fr. (Hrsg.), 1895, Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Neue Folge, XI Suppl.: Das Casseler Bürgerbuch, Kassel: A. Freyschmidt
Neuhaus, R. & Schmidberger, Ek. (Hrsg.), 1998, Kasseler Silber, mit Beitr. von Ernst-Ludwig Richter, Eurasburg: Edition Minerva
Siebmacher, J. 1977, Die Wappen des hessischen und thüringischen Adels, Bd. 20, Neustadt an der Aisch: Bauer & Raspe, Inh. Gerhard Geßner
„Stirn, Wolrad“, in: Hessische Biografie (Stand: 18.8.2010) (17.11.2014)
„Stiernberg, Friedrich Wilhelm von“, in: Hessische Biografie (Stand: 7.2.2013) (17.11.2014)