• Silber vergoldete Girandolen

Paar Silber vergoldete, zweiarmige Straßburger Girandolen

Objektnummer: #714

Straßburg, 1766
Meister: Jacques-Henri Alberti

Beschauzeichen: Gekrönte 13 für Straßburg;
Meisterszeichen: „ALBERTI“ für Jacques-Henri Alberti (1730-1795) (Haug 1964: 32)
Gravur: Allianzwappen, bisher noch nicht aufgelöst

Höhe: 33cm, Gewicht 2.430 gr

Detaillierte Informationen

Paar Silber vergoldete (Vermeil) zweiarmige Straßburger Girandolen

Dieses Paar zweiarmige Girandolen stammt aus Strassburg, einer Stadt, die auch bezüglich seiner Vermeil-Objekte im 18. Jahrhundert bedeutend war. Die Girandolen stellen ein elegantes Beispiel des Klassizismus in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dar. Auf einem breiten, runden Fuß mit leicht profiliertem Rand erhebt sich ein gerader Schaft empor. Der Fuß ist mit einem umlaufenden Zungenfries dekoriert. Der runde Schaft ist vom Fuß bis zum Kapitell mit Kannelierung dekoriert, ähnlich wie eine schlichte Säule, und trägt das korinthische Kapitell. Auf dem Kapitell ist eine zweiseitige Kartusche mit Allianzwappen und einem Laubstab dekoriert. Aus den Kartuschen wachsen die zwei Arme der Girandolen, auf deren Ende eine kurze Tülle mit Kerzenhalter steht. Sowohl die geschweiften Arme als auch die Tülle ist mit Kannelierung versehen. Die Arme sind darüber hinaus abnehmbar. Die Girandolen sind aus Silber und tragen ihre originale Vergoldung. Die Stadt- und Meistermarke sind auf beiden Füßen und die Stadtmarke ist auf allen vier Tellern der Kerzenhalter gepunzt. Bei diesem Paar Girandolen handelt es sich um ein elegantes Beispiel des straßburgischen Klassizismus, orientiert an Pariser Vorbildern, das strenge Elemente und leichten Verzierungen sehr fein kombiniert.

Straßburger Vermeil

Die Geschichte der Silberschmiede in Straßburg geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Als Straßburg 1681 von Louis XIV. (1638-1715) in Frankreich integriert wurde, hatten die Meister ihre mittelalterliche Zunftordnung der freien Reichsstadt behalten, bis zur französischen Revolution.

Die straßburgische Goldschmiede erlebte vor allem im 18. Jahrhundert ihre Blütezeit. Man orientierte sich an dem „manières françaises“.

Seit 1681 waren die straßburgischen Meister berechtigt, Silberwaren im Namen des Königreichs Frankreich herzustellen. Goldschmiede aus Straßburg rangierten also als wichtige Edelmetallarbeiter, insbesondere des Vermeils, nach den Meistern aus Paris. Die Meister waren in Dynastien organisiert. Das Straßburger Vermeil erlangte internationale Bedeutung. Die exzellente Qualität der straßburgischen Vergoldung und seine Widerstandsfähigkeit gegen Oxidierung machen das vergoldete Silber aus Straßburg auch für die warmen und feuchten Länder des Südens, insbesondere bei den fernen französischen Kolonien, wie Senegal, verwendbar.

Außerdem wurden in Straßburg keine Zollgebühren für exportierte Objekte erhoben und dies hatte zur Konsequenz, dass auch die deutschen Höfe, die sich mittlerweile an der französischen Mode orientierten, Silberobjekte aus Straßburg erwarben.

Für ein Vergleichsobjekt mit ähnlichem Dekorationsstil vom runden, kannelierten Schaft auf breitem Fuß aus der Toilettenservice von Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt, Herzogin von Pfalz-Zweibrücken siehe in der Münchner Residenz (Mü. SK 3931-3932).

Meister

Jacques-Henri Alberti ist in Bärenthal, bei Niederbronn, 1730 geboren. Er trat von 1756 bis 1764 eine Lehre bei dem bedeutenden Strassburger Silberschmied Jean-Louis Imlin III an und wurde Meister im Jahr 1764. Er hat die Nichte des Meisters, Catherine-Salomé Emmerich, 1765 geheiratet. 1768 hat Alberti zusammen mit Jean-Louis Imlin um die Herstellung des Tafelsilbers von Elisabeth Auguste von Pfalz-Sulzbach (1721-1794) gearbeitet. Alberti hat nach dem Tod Imlins die Leitung der Werkstatt Imlin von 1768 bis 1781 übernommen. Er ist im Jahr 1795 gestorben.

Alberti, zusammen mit Imlin, Kirstein und Oertel, waren wichtige Vertreter des “straßburgischen vermeil” . Objekte von Alberti sind in Kunstwerbemuseen in Straßburg, in Colmar, in Paris, im Kurpfälzischen Museum Heidelberg und in privaten Sammlungen erhalten.

Literatur

Haug, H., 1964, Le siècle d’or de l’orfèvrerie de Strasbourg, Ausst. Kat., Paris, 10-31-10.1964
Haug, H., 1978, L’orfèvrerie de Strasbourg dans les collections publiques françaises, Paris: éditions des musées nationaux-palais du Louvre
Martin, É. & Pesneaud-Antheaume, A.-Cl., 2004, Deux siècles d’orfèvrerie à Strasbourg. XVIIIe-XIXe siècles dans les collections du musée des Arts décoratifs, Strasbourg : les musées de Strasbourg