• Seifenbehälter Silber vergoldet

Eleganter Augsburger Seifenbehälter der Régence Periode, Silber vergoldet

Objektnummer #415

Augsburg 1713/7

Gottlieb Menzel

Beschauzeichen: „Pyr“ für Augsburg, 1713/17 (Seling 2007 Nr. 1450)

Meisterzeichen: „GM“ im Ovalen für Gottlieb Menzel (Seling 2007 Nr. 2022)

H.: 8 cm; Dm.: 7,5 cm; Gewicht: 207 g.

Detaillierte Informationen

Eleganter Augsburger Seifenbehälter der Régence Periode, Silber vergoldet  

Dieser Seifenbehälter aus Silber ist voll vergoldet und wurde in Augsburg, in der Stilperiode der Régence, also Anfang des 18. Jahrhunderts, produziert. Auf einem eingezogenen und mit einem Godronenfries dekorierten Fuß steht der achtseitig, facettierter Korpus, der gründlich eine Kugelform aufweist. Der Behälter schließt mit einem Scharnier und ist auf beiden Seiten der Halbkugel mit ziseliertem Régence-Dekor auf punziertem Grund geschmückt. Auf der Endung der oberen Halbkugel einen Godronenfries wiederholt schön das Dekor des Fußes. Unten am Fuß sind die Marken ligiert sowie der Tremolierstich angebracht.

Seifenbehälter aus Silber

Im 18. Jahrhundert herrschte die verbreitete Benutzung von den Toilettenservices, die auch eine Anzahl von Dosen beinhalteten: Puderdosen, Dosen für Schönheitspflästerchen (Fr.: boîtes à mouches), Schwammbehälter und Seifenbehälter sind nur einige Beispiele. Diese kleinen Behälter – oft sehr luxuriös hergestellt – waren auch beliebte Geschenke und sind in Inventaren aus dem Jahrhundert der Aufklärung immer wieder erwähnt.

Kugelförmige Behälter für Toilettenservices wurden oft in Paaren hergestellt. Diese Gewohnheit verbreitete sich aus Paris und Frankreich in verschiedenen Goldschmiedeproduktionszentren in Europa. Das eine Gefäß war durchgebrochen und war zur Aufbewahrung des Schwamms bestimmt. Das andere war zugeschlossen und war zur Aufbewahrung der Seife benutzt. Diese zwei Behälter wurden oft von einer Rasierschale begleitet, so dass man daraus schließen kann, dass solche Objekte oft Männertoilettenservices gehörten.

Allerdings wurde Seife seit jeher hergestellt und war in Europa im 16. und 17. Jahrhundert sehr teuer. Große Exportländer von Seifen waren vor allem Frankreich (Toulon, Marseille), Italien (Neapel) und Spanien, wo Seife auf Basis von Olivenöl produziert wurde. Im 18. Jahrhundert wurde Seife in kleinen Kügelchen verkauft, daher nahm der entsprechende Aufbewahrungsbehälter eine Kugelform. Gegen Ende des Jahrhunderts erfand der französische Chemiker Nicholas Leblanc ein Verfahren, um Seife aus Salz zu produzieren. So bekam das Produkt eine härtere Konsistenz und könnte leichter parfümiert werden.

Vergleich ein schönes, französisches Paar von Schwamm- und Seifenbehälter, s. in The Metropolitan Museum, New York.

Meister

Gottlieb Menzel gehörte zu den führenden Goldschmieden Augsburgs in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er wurde 1676 in Breslau geboren, seit 1709 war er Meister Silberschmied und starb 1757. Er fertigte hauptsächlich Tafelgerät für einen aristokratischen Kundenkreis. Als seine Auftraggeber sind u.a. August der Starke, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, Königin Luise von Dänemark und der Wiener Hof zu nennen.

Literatur

Havard, Henry, Dictionnaire de l’ameublement et de la décoration : depuis le XIIIe siècle jusqu’à nos jours, Bd. I, A-C, Paris: Maison Quantin, 1894, S. 343-350.

Seling, Helmut, Die Augsburger Gold- und Silberschmiede 1529-1868, Bd. I-III, München: Beck Verlag, 1980-2007