Silber vergoldeter, Pariser, sehr schön eingravierter Becher

Objektnummer: #264

Paris, 1779-1780

Denis Colombier

Meisterzeichen: Zwischen „D“ und „C“ eine Taube auf einem Zweig, darüber gekrönte Fleur-de-lys zwischen zwei Punkten für Denis Colombier (Nocq 1968, S.288; Carré 1929, S. 47).

Wardeinszeichen: Bekröntes „A“ des Wardeins (Steuerpächters) Henri Clavel (1. Oktober 1780 – 30. September 1786 tätig) (Rosenberg (4) 1928, S. 260).

Höhe: 12,5 cm (4,92 in.); Gewicht: 214,7 g.

Detaillierte Informationen

Französischer Silberbecher (Vermeil)

Der vorliegende vermeil Becher ist ein sehr schön, elaboriertes Beispiel französischen Silbers vom Ende des 18. Jahrhunderts. Auf einem runden und leicht gewölbten Fuß erhebt sich der tulpenförmige Korpus mit ausladenden Lippenrand, welcher sich an die Anatomie des Mundes anpasst.

Der Fuß ist mit einem Eier-Fries, um welches sich zwei leicht strukturierte Bänder herumwinden, dekoriert. Der Schaft, welcher den Standring und die Kuppa mit einander verbindet, ist glatt belassen. Die Außenwandung des Bechers trägt eine sehr aufwendige Gravur. Der Lippenrand ist zunächst mit zwei Ringen, versehen. Daran schließt sich ein reich verziertes Band, welches mit alternierenden kleinen und größeren Medaillons geschmückt ist. In den Kleineren sind Blüten eingearbeitet, in den größeren eine Art aufgehende Sonne mit ihren Strahlen. In den Zwischenfeldern sind ganzflächig eingravierte Damaszierungen, in deren Mitte jeweils ein Punkt eingearbeitet ist. Das Band schließt nach unten in einem Wellenband ab, welches unter den größeren Medaillons mit einer halben Blüte und unter den kleineren mit einem kleinen Kringel mit Punkt in der Mitte angereichert ist. Darauf folgt eine glatt belassene Fläche, die wiederum mit zwei Ringen ihren Abschluss findet. Daran schließt das Hauptdekor des Bechers an. In drei großen ovalen Medaillons sind jeweils eine Kiepe und Früchte, ein Korb und Früchte sowie eine Gießkanne, Spaten, Rechen und Pflanzen zu erkennen. In dem Oval über dem Korb mit den Früchten ist das obere Band mit einer sehr ausladenden Verzierung versehen. Diese windet sich um die in sich verschlungenen Initialen „MV“. Zwischen den landwirtschaftlichen Darstellungen sind Felder mit Sonnenaufgängen eingraviert. Auch hier sind zudem die Freiflächen mit Damaszierungen versehen, aber diesmal mit jeweils vier Punkten in der Mitte. Bekrönt werden diese von geflochtenen Blätterkränzen. Bei dieser dekorativen Wahl handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Symbolismus, der den Becher mit dem Auftraggeber verbindet.

Die aufwendige Verzierung dieses Bechers sowie die Initialen deuten darauf hin, dass dieser Becher für einen bestimmten Anlass, wahrscheinlich Erntedank, hergestellt wurde. Die Vergoldung als auch die Gravur sind zudem in einem hervorragenden Zustand.

Im Museé des Arts Decoratif hat sich ein ähnlich elaborierter Becher erhalten (s. Tardy 1962, S. II, Abb. 2). Im The Metropolitan Museum, New York, ist ebenfalls ein Pariser Becher des gleichen Typus erhalten.

Goldschmiedekunst in Paris

Nicht nur Paris, Frankreich im Allgemeinen, war in der Silbergerätproduktion, sakral und profan, in Europa Vorreiter. Vieles wurde zwischen Kriegen und Revolutionen oder in Zeiten von Geldnot wieder eingeschmolzen. Daher ist aus dem 15. und 16. Jahrhundert wenig erhalten geblieben. Während der Renaissance war der französische Hof Impulslieferant für die Kunst und die Kultur. Einflüsse aus Italien waren dabei maßgebend.

Anfang des 18. Jahrhunderts erlebte die Silberschmiedekunst in Frankreich ihre Blütezeit, der Adel und reiche Bürger erteilten viele Aufträge in dieser Zeit an die Kunsthandwerker. Die verschiedenen Kriege erzwangen jedoch immer wieder Masseneinschmelzungen, sodass auch der Silberbestand des frühen 18. Jahrhunderts heute ebenfalls nur noch in Teilen erhalten geblieben ist. Dennoch galt das französische Silber stets als erstklassig und war häufig Vorbild für Silbergerät in ganz Europa.

Meister

Denis Colombier war ein in Paris tätiger Silberschmied. 1763 begann er seine Ausbildung bei Henri Nicolas Debrie und wurde 1776 Meister. Er fertigte vor allem Trinkgefäße. Heute sind die Werke von Denis Colombier unter anderem im Metropolitan Museum of Art, New York und im George Washington’s Mount Vernon Museum sowie in Privatsammlungen erhalten.

Literatur:

Karl Hernmarck: Die Kunst der europäischen Gold- und Silberschmiede von 1450-1830, München 1978.

Henry Nocq: Le poinçon de Paris. Répertoire des maîtres-orfèvres de la juridiction de Paris depuis le Moyen-Age jusqu’à la fin du XVIIIe siècle, Paris 1968.

Marc Rosenberg: Der Goldschmiede Merkzeichen (Band 4): Ausland und Byzanz, Frankfurt am Main 1928 (http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rosenberg1928bd4, (zuletzt aufgerufen am 03.05.2017).

Louis Carré: A Guide to Old French Plate. London 1929 (https://ia801704.us.archive.org/19/items/AGuideToOldFrenchPlate/CarreLouis-GuideToOldFrenchPlateA.pdf, (zuletzt aufgerufen am 03.05.2017).