Silber vergoldeter Deckelbecher auf Kugelfüßen mit kunstvoll gravierten Landschaften, Augsburg 17. Jh.

Objektnummer: #123

Augsburg 1697/99

Johann Christoph I Treffler

Beschauzeichen: „Pyr“ für Augsburg, 1697/99 (s. Seling 2007, Nr. 1160)

Meisterzeichen: „IC/T“ in Kreis für Johann Christoph I Treffler (s. Seling 2007, Nr. 1773)

Höhe: 16,5 cm; Gewicht: 406 g.

Detaillierte Informationen

Silber vergoldeter Deckelbecher auf Kugelfüßen mit kunstvoll gravierten Landschaften

Der vorliegende Becher ist eine besonders kunstvolle und detailreiche Silberarbeit aus Augsburg. Er ist insgesamt vergoldet und mit tiefer, feiner Gravur geschmückt.

Auf drei Kugelfüßen erhebt sich die gerade Kuppa des Bechers. Diese ist fein graviert mit drei Kartuschen, die Landschaften zeigen. Zwischen den drei Kartuschen ist weiterhin detailliertes Blattrankenwerk eingraviert. Der Deckel profiliert. Der restlichen Dekoration treu ist der Deckel auch mit reichem Blattrankenwerk eingraviert. Zwischen dem Kugelknauf und dem Deckel ist ein kunstvoll gestaltetes Zwischenteil verziert mit geschweiften, volutenartigen Akanthusblätter. Ähnliche aufgesetzte, dekorative Zwischenteil sind zwischen den Kugelfüßen und der Kuppa angebracht. Diese getriebenen Teile sind dekoriert mit Akanthusblättern, Früchten und Weintrauben an der Spitze. Die Marken sind sowohl auf der Unterseite des Bodens als auch auf dem Deckel ligiert.

Kartuschen mit Landschaften

Die Besonderheit des Bechers liegt nicht nur bei der Bearbeitungsweise und der schön erhaltenen Vergoldung, sondern auch und vor allem bei den drei Kartuschen mit Landschaften umgeben mit kunstvollen Gravuren. Der Korpus ist sehr fein graviert und die Kartuschen stellen jeweils drei Landschaften mit Staffage dar. Diese Art der Verzierung war vor allem im 17. Jahrhundert sehr beliebt.

Auf der ersten Kartusche wird Teil eines Dorfes mit einem Kirchenturm, Häusern und anderen Bauten dargestellt. Im Vordergrund pflügt ein Bauer. Auf der zweiten Kartusche wird wieder Teil eines Dorfes oder einer Stadt mit unterschiedlichen Bauten dargestellt. Im Vordergrund ist diesmal ein Fluss. Eine Gesellschaft von drei Männern wird in einem Boot beim Fischen dargestellt. Auf der dritten Kartusche finden wir ein Tor mit Bauten. Am Ufer des Flusses im Vordergrund wird hier wieder ein Fischer gezeigt.

Durch die sorgfältige und durchdachte Darstellung von Staffagefiguren auf allen drei Ansichten des Bechers werden die Szenen belebt. Darüber hinaus und der Landschaftsmalerei treu gewinnt der Betrachter eine gute Wahrnehmung des Raumes und dessen Dimension.

Im Zeitalter des Barocks nimmt das Interesse an der Landschaftsmalerei zu. Auch bei Silberobjekten wie z.B. bei Trinkgefäßen des 17. Jahrhunderts finden wir sehr oft Architekturlandschaften und Stadtansichten. Diese haben sich der künstlerischen Entwicklung der Malerei angepasst.

Zum Vergleich hier einen weiteren Barockbecher des Meisters Johann Jakob Petrus mit Landschaftskartuschen aus den Sammlungen von Helga Matzke.

Zum Vergleich des Bechertypus (mit den durchbrochenen Akanthusranken) s. im Grünen Gewölbe, zwei Becher aus der gleichen Zeit des Meisters Carl Schuch.

Meister

Johann Christoph I Treffler war Goldschmied und Silberdrechsler geboren um 1652. Er wurde 1680 Meister und heiratete Anna Maria Baur (Tochter des Goldschmiedes Hans Jakob II. Baur) im gleichen Jahr. 1682 heiratete er zum zweiten Mal. 1722 starb er.

Seling erwähnt einer Reihe von Objekten von Treffler, die in bedeutenden Museen und Privatsammlungen aufbewahrt sind: im Grünen Gewölbe, Dresden; im Bayerischen Nationalmuseum, München; im Kunstgewerbemuseum, Berlin; im Historischen Museum Moskau.