TEFAF Maastricht 2017

Silber Highlights von Helga Matzke – European Silver

Die internationale Kunstmesse TEFAF Maastricht 2017, vom 10. bis 19. März, steht unmittelbar bevor und – wie alle Jahre – hoffen wir sehr, Sie begrüßen zu können. Unsere Standnummer ist wieder die 165.

Mit diesem Beitrag möchten wir Sie vor Ihrem Besuch auf unsere Highlights aufmerksam machen. Wir sind sehr stolz solche schönen und außergewöhnlichen Kunstobjekte aus Silber auch dieses Jahr zeigen zu können.

Der Kunsthandel Helga Matzke verfügt über eine große und interessante Vielfalt von Objekten mit Münzen dekoriert. Diese haben einen wichtigen historischen Charakter, da sie sowohl ihre Zeit als auch ihre Vergangenheit repräsentieren. Münzobjekte aus Silber waren oft Prunkschauobjekte, aber auch Erinnerungsstücke an historische Ereignisse.

Unsere Sammlung von Münzobjekten aus Silber wird dieses Jahr mit dem kürzlich neu erworbenen Münzdeckelbecher aus Breslau vom Meister Johann Klinge bereichert. Sein ikonographisches Programm präsentiert als Schwerpunkt die Stadt Breslau mit einer sehr gut erhaltenen, gravierten Stadtansicht. Er ist mit besonderen Münzen auf der Wandung, Deckelund Boden dekoriert.

Münzdeckelbecher, Silber teilweise vergoldet, Breslau 1727/37, Johann Klinge

Die Wahl der verschiedenen Münzen, hauptsächlich aus Sachsen und aus dem Haus der Welfen stehen wahrscheinlich in engem Zusammenhang mit dem Auftraggeber. Viele der Münzen sind außerdem aus Feinsilber und stellen Abbildungen von Kaisern, Königen und Kurfürsten dar, ein Zeichen, dass dieses Objekt ein Statussymbol des Auftraggebers als Bürger in der Stadt Breslau repräsentiert. All dieses ist verbunden mit der Entwicklung und Blüte Breslaus nach dem 30jährigen Krieg und während des Barocks und auch natürlich mit einem wichtigen Auftraggeber. Außerdem muss hier erwähnt werden, dass wenn man die Stadtansicht Breslaus von Matthaeus Merian (1593-1650) und Martin Zeiller (1589-1661) betrachtet, ist es sehr gut möglich, dass sie für die Entstehung der gravierten Stadtansicht des Bechers als Vorbild gedient hat.

Neben diesem wunderbaren Becher können Sie bei uns noch einen Augsburger Pokal vom Meister Matthäus Schmidt bewundern. Er ist ein absolutes Barockstück, welches durch eine Venus Marina und Mars ein Liebespaar darstellt. Die Schale des Pokals hat die Form einer Muschel, was der Mode der Zeit entspricht: nämlich naturnachahmende Formen und

exotische und natürliche Rohstoffe bei der Herstellung von Pokalen aus Silber. Insbesondere Pokale mit muschelförmiger Schale und mit Venus als Hauptfigur des Dekors sind im 17. Jahrhundert sehr beliebt. Diese besondere Form des Pokals und auch seine Höhe stellen ein einzigartiges Merkmal bzw. ein Statussymbol für den Trinkenden dar.

Silver-gilt standing cup, shell Venus, Augsburg 17th century

Muschelpokal mit Venus und Mars, Silber teilweise vergoldet, Augsburg 1660, Matthäus Schmidt

Venus marina als Hauptfigur des Pokals bezieht sich außerdem auf existierende zeitgenössische Abbildungen von Venus. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Meister von einer 1652 entstandenen Zeichnung des Jakobs von Sandrart (1630-1708), Kupferstecher, Verleger und Gründer der Maler-Akademie (1662) in Nürnberg – auf der Venus marina, Galatea oder Fortuna di mare dargestellt ist – inspiriert wurde (s. Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden).

Noch zwei Objekte thematisch verbunden mit Reisen stellen unsere Lieblings-Highlights dar. Wir freuen uns sehr, zwei Reiseservices mit ihren originalen Kästen und Objekten aus vergoldetem Silber auszustellen. Reiseservices sind kleine Koffer, die transportiert werden können und die absolut notwendigsten Objekte während des Reisens (die „nécessaires“/Notwendigen) beinhalten. Sie wurden immer häufiger gegen Ende des 17. Jahrhunderts produziert. Ihre eigentliche Verbreitung gewann an Bedeutung insbesondere im 18. Jahrhundert.

Bei diesen historischen Objekten handelt es sich um Meisterwerke, hergestellt von mehreren Spezialisten (Goldschmiede, Kunsttischler, Spiegelhersteller und Lederwarenhersteller). Reiseservices sind in Unterkategorien geteilt: für Kaffee- und Tee, für das Essen, die Damentoilette, etc.

Reiseservice mit originalem Koffer und Silber vergoldete Objekte, Augsburg ca. 1690, Peter Neuss II, Tobias Hallaicher

Unser Augsburger Reiseservice der Meister Peter Neuss II und Tobias Hallaicher stammt aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert und ist 9-teilig. Alle Objekte aus Silber vergoldet und sehr schlicht gearbeitet sowie untergebracht in speziell angepassten, mit rotem Samt gefütterten Einsätzen im originalen, mit Leder bezogenen Holzkastenkoffer.

Reiseservice mit originalem Koffer und Objekte in Vermeil aus Straßburg, Straßburg ca. 1790, François Daniel Imlin

Unser Straßburger Reiseservice des Meisters François Daniel Imlin ist aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert und ist 5-teilig. Sowohl die Objekte aus Vermeil als auch der Koffer weisen ein strenges, klassizistisches, zeitloses Design auf. Die Teile sind hier auch in vorgesehenen, mit rotem Samt gefütterten, Einsätzen im originalen sechseckigen Koffer arrangiert. Der Koffer ist mit grünem Leder bezogen, das mit Blumen in goldener Farbe dekoriert ist. Beide Koffer und deren Inhalt sind in einem ausgezeichneten Zustand.

Dieses Jahr haben wir unser Programm mit einem paar exzeptionellen Reliefs aus Ulm mit biblischer Ikonografie erweitert. Beide sind in Verbindung zu König Salomon zu sehen: das Urteil des Salomon und der Besuch der Königin von Saba. Die Reliefs sind aus einem Silberblech gefertigt und zwar sind sie getrieben und punziert. Die Reliefhöhe ist mäßig ausgeprägt, aber trotzdem ist dem Meister sowohl die Wahrnehmung der Tiefe als auch der Plastizität sehr gelungen. Vielleicht sind diese zwei Objekte Teil eines Triptychons mit König Salomon als Hauptfigur. Er muss als ein Symbol für Weisheit und Gerechtigkeit verstanden werden. Oft ist König Salomon in Verbindung mit Patriziern, öffentlichen Personen, aber auch Richtern zu sehen – also sowohl im profanen als auch im kirchlichen Kontext. Bei näherer Betrachtung der Reliefs haben sie einen sehr dramatischen, fast theatralischen Charakter.

(o.) Silber vergoldeter Relief, Der Zweite Besuch der Königin von Saba, Ulm ca. 1650-80, Hans Georg Bauhoff
(u.) Silber vergoldeter Relief, Das Urteil des Salomon, Ulm ca. 1650-80, Hans Georg Bauhoff

Die Figuren sind sehr lebendig dargestellt; der Raum ist sehr detailreich wiedergegeben; die Komposition ist sehr überlegt. Dies erklärt sich bestimmt auch durch die malerischen Inspirationsquellen des Meisters Hans Georg Bauhoff. Für das Urteil des Salomon ist ein Gemälde mit dem gleichen Thema aus Peter Paul Rubens’ Werkstatt und für den Zweiten Besuch der Königin von Saba ist ein Gemälde mit dem gleichen Thema des Malers Erasmus Quellinus, Schüler von Peter Paul Rubens Vorbild gewesen.

Den Vorgeschmack unseres TEFAF Maastrichts Rundgangs für dieses Jahr enden wir mit einem sensationellen Objekt der Tafelkultur des 18. Jahrhunderts. Es handelt sich um einen Weinglaskühler – Monteith auf Englisch und rafraîchissoir oder verrière auf Französisch -, ein Gefäß mit mehreren Einkerbungen im Rand, um Gläser mit dem Kelch nach unten in eisgekühltes Wasser zu hängen. Ein absolutes must der hohen Tafelkultur!

Augsburger Gläserkühler Silber, 18. Jhs.

Weinglaskühler, Silber, Augsburg 1708/10, Johann Caspar III Gelb

Unser Augsburger Meisterwerk aus Silber ist ein frühes Beispiel aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, gefertigt vom Meister Johann Caspar III Gelb. Das Objekt ist nicht nur aufgrund seines aufwendigen und wunderbaren Régence Dekors und seiner Größe wichtig, sondern auch aufgrund seiner Provenienz. Es ist nämlich ein Weinglaskühler, welcher nach England gereist ist, und Zeugen dafür sind eine gravierte Schrift am Boden aber auch das prachtvolle, angebrachte Allianzwappen des Generals John William Egerton, 7th Earl of Bridgwater (1753-1823) und seiner Gemahlin Charlotte Catharine Anne, Tochter von Samuel Haynes. Der Weinglaskühler hat außerdem ein langes Leben auch nach dem Tod des Paares gehabt. Als der 7th Earl of Bridgwater gestorben ist, wurde der Titel zu seinem unverheirateten Bruder Francis Henry Egerton (1756-1829) übertragen. Dieser war ein renommierter Exzentriker, bekannt für seine Dinner-Partys für Hunde aber auch für seine wichtige Sammlung von Manuskripten, heute in der British Library. Der Weinglaskühler wurde dann in der Familie des Grafen vererbt.

Besuchen Sie uns auf TEFAF Maastricht (Stand Nr. 165). Genießen Sie unsere verschiedenen Silber Kunstwerke, sprechen Sie mit uns über Sie und lassen Sie uns wissen welche Ihre Meinung ist und was Sie suchen.

Wir freuen uns, Sie auf TEFAF Maastricht 2017 bald zu begrüßen!

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