Neuigkeiten und Neuerwerbungen von Helga Matzke European Silver

Nach einer intensiven und für uns erfolgreichen TEFAF Maastricht Kunstmesse im März 2019 möchten wir Ihnen mit diesem Newsletter unsere verschiedenen Projekte sowie interessanten Neuerwerbungen vorstellen.

Ausstellungsprojekte

Das Ehepaar Matzke Senior ist seit Jahrzehnten freundschaftlich mit dem Schloss Wawel in Krakau verbunden. So haben wir bereits vor zwanzig Jahren Leihgaben für Ausstellungsprojekte des Museums zur Verfügung gestellt. Seit einigen Wochen kann das Publikum drei herausragenden Silberschätze der Renaissance aus dem Anlass der Wiedereröffnung und Präsentierung des Raums Kasimir in der Schatzkammer des Schlosses bewundern. Mehr Informationen hierzu erhalten Sie hier.

Kasimir Raum – Schatzkammer, Schloss Wawel, Krakau (Neueröffnung)

Frau Matzke war ganz besonders an cross-over Projekten interessiert, wo man alte und zeitgenössische Kunst in überraschender und poetischer Weise entdecken kann. Eine erstklassige Kollegin in der Organisation solcher Projekte haben wir in Martina Tauber gefunden. Bei Martina Tauber Fine Arts läuft derzeit die dritte Gruppenausstellung im Salon-Stil unter dem Titel „The Last Unicorn“. Wir freuen uns besonders, einen schönen, Silber, vergoldeten Renaissancehumpen neben erstklassigen Werken zeitgenössischer Künstler dort zu zeigen. Das Team von Martina Tauber Fine Arts begleitet diese Ausstellung mit einem interessanten Programm von „Salongesprächen“ am 5. und 26. Juni sowie am 10. Juli. Mehr Infos zu diesem Event finden Sie hier.

Renaissancehumpen Silber vergoldet, Braunschweig c. 1590, Meister: Hans Pawell und

Rem Denizen, o.T., 2014, Walnut, process blue ink, ca. 240 x 60 x 20 cm

Neuerwerbungen

Der Kunsthandel Helga Matzke verfügt über eine breite Sammlung von historisch wichtigen Humpen und Silberbechern. Wir sind daher sehr froh, dass wir zwei schlesische und eine Augsburger Arbeit in unsere Sammlungen aufnehmen konnten.

Das erste Objekt ist ein sehr interessanter und seltener Humpen aus Jauer, Silber vergoldet, datiert „1596“. Das Besondere an diesem Humpen ist  der schön getriebener Dekor, die Münze und Medaille je auf dem Deckel und dem Boden eingelassen und nicht zuletzt die Inschrift am Rand des Standfußes. Dieser Spruch „wem schat [schadet] mein Unglück“ erscheint auf gräflich-mansfeldischen Jetons (aus Kupfer) dieser Zeit. Der hervorragende Dekor mit typischen Renaissance-Ornamenten (beispielsweise der Daumenrast als Meerjungfrau), das interessante ikonografische Programm mit dem sächsischen Taler und der Medaille sowie die Seltenheit dieser früheren jauerschen Arbeit machen aus diesem Humpen ein echtes Silber Highlight für jede Sammlung.

schlesischer Renaissancehumpen Silber vergoldet

Außergewöhnlicher, schlesischer Renaissancehumpen mit einem sächsischen Taler und einer erzgebirgischen Medaille, Silber vergoldet und datiert

Ein späteres, schlesisches Stück zeigen wir mit diesem Römer (Weinbecher) aus Breslau, Silber vergoldet. Dieser wurde ca. 1712 von Gottfried Körner hergestellt und ist sehr sorgfältig gearbeitet. Die muschelförmigen Nuppen und die sechsfach gebuckelte Cuppa geben ihm eine schöne Form, die man in Römern aus Süddeutschland wiederfindet.

Breslauer „Römer“ mit muschelförmigen Nuppen, Silber teilweise vergoldet, c. 1712, Meister: Gottfried Körner

Ferner können wir als Neuerwerbung auf einen fein gravierten Augsburger Barockbecher mit Deckel und drei Kugelfüßen von Johann Christoph I Treffler  1697/99 hergestellt, hinweisen. Die Besonderheit des Bechers liegt nicht nur in der Bearbeitungsweise mit vielen Details, den schönen Proportionen und der gut erhaltenen Vergoldung, sondern auch bei den drei Kartuschen mit Landschaften umgeben mit kunstvollen Gravuren. Die Kartuschen stellen jeweils drei Landschaften mit Staffage in unterschiedlicher Handlung dar. Diese Art der Verzierung mit gravierten Landschaften und aufwändig dekorierten Becherkorpus war vor allem im 17. Jahrhundert sehr verbreitet.

Silber vergoldeter Deckelbecher, graviert, Augsburg

Silber vergoldeter Deckelbecher auf Kugelfüßen mit kunstvoll gravierten Landschaften, Augsburg 1697/9, Meister: Johann Christoph I Treffler

Aus der gleichen Zeit stammend und die Liebe des Barocks in Landschaften zeigend kommt ein Nürnberger Salzgefäß, Silber teilweise vergoldet und getrieben des Meisters Heinrich Gottfried Anton Hammon (ca. 1685/9). Auf einem wellig gestalteten Ring erhebt sich der kunstvoll getriebene Fuß. Dieser ist geschmückt mit drei Medaillons, die detaillierten Stadtansichten darstellen. Dazwischen ein Dekor mit Blumen und Früchten. Der vergoldete Hals ist glatt belassen und die tiefe Mulde ist mit stilisierten Akanthusblättern dekoriert und von dem Hals mit einem geschweiften Ring abgegrenzt.

Nürnberger Salzgefäß Silber, Stadtansichten

Nürnberger Salzgefäß mit drei Stadtansichten, Silber teilweise vergoldet, c. 1685/9, Meister: Heinrich Gottfried Anton Hammon

Neben diesen neu erworbenen Objekten freuen wir unsauch auf unsere sonstigen, interessanten, historischen Kunstobjekten aus Silber hinzuweisen, wie ein englisches, Londoner Punschgefäß, Silber graviert, aus der George II Zeit (1724/5) des Meisters Richard Bayley. Das Silbergefäß ist glatt belassen und wird nur von einem schön gravierten Wappen der Familie Clavering (für Sir James Clavering) an der Vorderseite geschmückt.

Punsch war seit Anfang des siebzehnten Jahrhunderts ein beliebtes alkoholisches Getränk vor allem in England. Der Punsch war eine Mischung aus Zitrusfrüchten, Gewürzen, Zucker, Spirituosen und Wasser. Der Ursprung des Wortes “punch” (auf Englisch) liegt höchstwahrscheinlich in dem Wort “pac”, welches auf Hindi “fünf” bedeutet und damit auf die fünf Inhaltsstoffe des ursprünglich in Indien verwendeten alkoholischen Getränks verweist.

Gewürze, Zucker und Spirituosen verweisen auf die Verbindung zu West- und Ostindien sowie zum britischen Kolonialinteresse an diesen Gebieten. Dies erklärt auch die große Popularität des Punsches seit der frühen Neuzeit in Großbritannien.

Der Punsch blieb fast 250 Jahre lang beliebt und konnte heiß oder kalt getrunken werden. In Amerika war der Punsch im 18. Jahrhundert auch ein beliebtes alkoholisches Getränk. Relativ spät, im 19. Jahrhundert, zeigten auch die französischen Herrschaften eine Vorliebe für Punsch wie auch Brillat-Savarin berichtet (1825, S. 168).

englisches Silber Punschgefäß, London

Englisches Punschgefäß, Silber graviert, London 1724/5, Meister: Richard Bayley

Unsere Silbersammlung mit Bezug auf die preußische Zeit konnten wir mit zwei Sammlungsobjekten bereichern. Ein preußischer Kammerherrenschlüssel, Silber vergoldet, Berlin um 1800, bietet sich als ein schönes Symbol von Eigentum und Macht. Der Schlüssel des Kammerherrn war ein hochrangiges Zeichen der Würde am Hofe. Diese Schlüssel wurden im 18. und 19. Jahrhundert ehrenamtlich vergeben. Einer der bekannten Kammerherren von Friedrich II. war der französische Philosoph Voltaire.

Preußischer Kammerherrenschlüssel Silber vergoldet

Preußischer Kammerherrenschlüssel, Silber vergoldet, Berlin um 1800 (Regierungszeit des Friedrich Wilhelms III. (1770-1840), reg. 1797-1806))

Schließlich zeigen wir eine Potsdamer Schnupftabakdose mit Scharnierdeckel, Silber vergoldet, um 1770, des Meisters Christian Friedrich Müller, für die leidenschaftlichen Sammler von Dosen und von tabakbezogenen Objekten. Die Dose hat eine rechteckige Form und ist mit typischen Rokokoornamenten verziert. Die Dekoration basiert sich auf architektonischen Bauten; möglicherweise sind diese an das Schloss Sanssouci und an das Neue Palais in Potsdam angelehnt.

Rokoko preußische Tabatière (Schnupftabakdose) mit architektonischer Landschaft, Silber teilweise vergoldet, Potsdam um 1770, Meister: Christian Friedrich Müller

Wir freuen uns sehr, wenn wir Sie mit unseren Neuigkeiten überraschen konnten. Gerne nehmen Sie mit uns jederzeit Kontakt auf, wenn Sie mehr über diese oder andere Objekte erfahren möchten.

Wir wünschen Ihnen einen erholsamen und anregenden Sommer. Auch während dieser Periode arbeiten wir intensiv, um ein sehr spannendes und reizendes Projekt im nächsten Frühjahr vorzubereiten. Wir halten Sie aber diesbezüglich informiert.

Mit lieben Grüßen,

Ihr Helga Matzke Team