Neue Kunstobjekte von Helga Matzke European Silver

Vor der Sommerpause möchten wir Ihnen unsere letzten Neuerwerbungen in Silber vorstellen.

Der Kunsthandel Helga Matzke verfügt über eine breite Sammlung von Bechern und anderen Trinkgefäßen. Wir sind daher sehr froh, dass wir zwei Becher mit gravierter Dekoration in unsere Sammlungen aufnehmen konnten.

Der erste ist ein Augsburger Barockbecher, mit leicht konischem Körper und einem reichen Dekor. Zwischen zwei vergoldeten Ringen am oberen und unteren Rand entfaltet sich ein sehr interessantes ikonografisches Programm. Zwei raffinierte und detailreich ausgestattete ovale Kartuschen zeigen im Inneren zwei unterschiedliche, architektonisch gestaltete Szenen. Der Becher veranschaulicht das zunehmende Interesse an der Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts. Das Reisen, und dabei überwiegend Reisen in den Süden, nämlich nach Italien, wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-48) einfacher, so dass Künstler und Mitglieder der vornehmen Gesellschaft immer mehr reisten. Italienische und hauptsächlich römische Ruinen haben somit nordeuropäischen Malern neue Impulse für ihre kreativen Schöpfungen verschafft. Die Silberschmiede haben sich der künstlerischen Entwicklung der Zeitgenossen angepasst. Der vorliegende Becher des Meisters Johann Jakob Petrus – der Objekte herausragender Qualität und Provenienz schuf – ist somit ein modisches Objekt des ausgehenden 17. Jahrhunderts.

Barock Becher Augsburg Silber vergoldet

Neben diesem Becher, freuen wir uns, einen weiteren Becher aus Augsburg, aus dem beginnenden 18. Jahrhundert zu zeigen. Er wurde vom Meister Martin Breuer (ca. 1672-1751) hergestellt. Dieser ist sehr schön, sicher und aufwendig gearbeitet und dekoriert. Er verjüngt sich leicht nach unten und zwei vergoldete Ringe umrahmen ein in Weißsilber belassenes Mittelfeld. Dieses ist graviert und zwar, auf einem gerillten Hintergrund sind umlaufende, schöne Akanthusblätter angebracht. Der Becher ist weiterhin innen vergoldet.

Barocker Becher mit Akanthus Silber vergoldet, 18. Jahrhundert

Unsere Silbersammlung aus höfischer Provenienz konnten wir mit einem achtzehnteiligen Dessertbesteck aus dem Besitz Olgas von Württemberg bereichern. Der Satz besteht aus jeweils sechs Löffeln, vierzankigen Gabeln und Messern. Alle Teile tragen das bekrönte „O“ für Olga von Württemberg und sind von herausragender Qualität. Sie wurden in Berlin vom Meister Johann Georg Humbert hergestellt.

Olga wurde 1822 als drittes Kind des Großfürsten Nikolaus I. Pawlowitsch (später Kaiser Nikolaus I.) und seiner Gemahlin Alexandra Fjodorowna (geb. Prinzessin Charlotte von Preußen) geboren. 1846 heiratete sie Karl von Württemberg und 1864 wurde sie Königin von Württemberg. Olga wirkte vor allem auf dem sozialen Gebiet und hat eine Vielzahl Einrichtungen – die auch Ihren Namen tragen – gegründet. Sie besaß zahlreiche prunkvolle Objekte aus Silber. Außerdem besitzt das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart, neben anderen Objekten, die in Verbindung zu Olga stehen, Silberteile (z.B. Teller) aus dem Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württembergisches) Nr. 119, welches von 1806 bis 1919 ein Regiment des württembergischen Heeres war und den Ehrennamen Königin Olga trug. Königin Olga soll mit der Stiftung von Bestecken den Grundstock für das Silber gelegt haben. Hinzu kamen Abschiedsgeschenke für Offiziere, die aus dem Regiment ausschieden. Typisches Merkmal dieser Objekte ist das bekrönte „O“ für Königin Olga.

Besteck Silber vergoldet Olga von Württemberg, Monogramm
Olga von Wuerttemberg Stuttgart Silber
Auswahl aus dem Silber des Grenadier-Regiments 119, „Königin Olga“, Geschenke und Leihgaben des Kamerradenkreises Grenadierregiment 119 e.V. in Legendäre Meisterwerke: Kulturgeschichte (n) aus Württemberg, S. 223.

Schließlich haben wir eine Londoner Kaffeekanne aus der Zeit des Britannia Standards und einen Zuckerstreuer für die leidenschaftlichen Sammler englischen Silbers erworben.

Die Kanne hat eine achteckige, glatte Wandung, die auf einer Seite ein graviertes, zeitgenössisches Wappen im reichdekorierten Rahmen trägt. Die S-förmige Tülle endet in einem Schnabelausguss und steht im rechten Winkel zum Henkel. Der Ausguss ist darüber hinaus am Korpus mit einem schönen Zierrat geschmückt. Den achteckigen hochgewölbten Scharnierdeckel schmückt ein gegossener Balusterknauf. Ein sehr schöne, und geometrische Kanne von zeitloser Eleganz!

Die Form der ersten Kaffeekannen aus England wurden aus dem Orient beeinflusst. Frühe englische Kaffeekannen hatten deswegen einen konischen Deckel mit spitzer Endung. Die Stilentwicklung der Periode 1710-20 gab den Kannen unter anderem eine achteckige, sehr elegante Form. Für diesen Stil ist unsere frühe Londoner Kanne ein sehr gutes Beispiel.

George I Kaffeekanne Silber Britannia Standard

Der Zuckerstreuer hat eine runde Birnenform und steht auf einem abgesetzten, profilierten Fuß. Er ist durch das gravierte Wappen – wohl des Auftraggebers – auf einer Seite der Wandung geschmückt. Der abnehmbare Deckel hat eine hexagonale Form und ist reich mit durchbrochenem Laubwerk geschmückt.

George II Silber Zuckerstreuer, Englisch, Sterling

Wenn Sie einfach vom historischen Silber überrascht und inspiriert werden möchten, schauen Sie sich unseren letzten Beitrag zum Thema „Silber und Stillleben im Dialog“ an.

Wir freuen uns sehr, wenn wir Sie positiv anregen konnten. Gerne nehmen Sie mit uns jederzeit Kontakt auf, wenn Sie mehr über diese oder andere Objekte erfahren möchten.

Wir wünschen Ihnen einen erholsamen und interessanten Sommer. Die neue Saison bringt für uns neue Ereignisse und Herausforderungen, die wir mit ihnen gerne teilen möchten.

Mit lieben Grüßen,

Ihr Helga Matzke Team