Silber dreiarmige Friderizianische Girandole

Objektnummer: #701

Breslau, um 1757
Benjamin Hentschel

Beschauzeichen: Johanneskopf für Breslau, 18. Jahrhunderts (Hintze, Nr. 19; Rosenberg Nr. 1372)
Meisterzeichen: „BH“ in ovalem Schild für Benjamin Hentschel (Hintze, Nr. 147)
Jahresbuchstabe: „G“ für 1758-1760
Kriegssteuerstempel: „FW“ kursiv (Scheffler Nr. 30a)

Höhe: 34,5 cm (135, 8 in.); Gewicht: 1.306 g.

Detaillierte Informationen

Silber Dreiarmige Friderizianische Girandole

Diese Silber, dreiarmige Girandole ist ein wunderbares Beispiel des friderizianischen Rokoko, aus Schlesien. Die Girandole erhält ihre elegante und sich nach oben geflochtene Form durch aufwendige Treib- und Gussarbeiten. Sie steht auf einem breiten, leicht gewölbten und mit gedrehten Zügen dekorierten Fuß mit einem geschweiften Rocaillenrand. Der Schaft erhebt sich nach oben mit eleganten Rocaillen und gedrehten Zügen. Die zentrale Einstecktülle ist mit gegossenen, detaillierten, naturalistischen Elementen verziert und die drei Arme entwickeln aus dieser heraus. Die Arme sind mit Voluten dekoriert und die Tropfteller und Tüllen sehr schön mit Rokoko Ornamenten ziseliert. Die drei Tüllen über den Tropftellern haben weiterhin eine wunderbare blumenartige Öffnung.

Die Girandole ist um 1758-1760 entstanden, während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763). Daraus könnte man schließen, dass der Auftraggeber vermögend war wenn mitten im Krieg ein so aufwendiges, silbernes Objekt bestellen konnte. Der Auftrag könnte Ende des Jahres 1757 ergangen sein, und zwar nach der preußischen Zurückeroberung der Stadt Breslau von den Österreichern. Dabei ist eine höfische Bestellung der Girandole nicht auszuschließen, da Friedrich II. um 1750 das königliche Stadtschloss in Breslau ausbauen und einrichten ließ. Es existieren heute nur spärliche Informationen über eine dortige Silberkammer, es kann allerdings angenommen werden, dass eine königliche Silberkammer in Breslau bestand.

Die Breslauer Goldschmiedekunst hätte viele wichtige und qualitativ wertvolle Silberobjekte zu zeigen, wenn die Geschichte Breslaus von weniger kriegerischen Ereignissen geprägt wäre. Gegenstände aus Silber wurden nämlich während der Kriegszeiten immer wieder in die Münze gebracht, wo viele ästhetisch wertvolle und historisch bedeutende Werke geopfert wurden.

Die vorliegende Girandole wurde vom Einschmelzen gerettet gegen Bezahlung der Kriegssteuer – wie man vom „FW“ Stempel vermuten kann.

Meister

Benjamin Hentschel war tätig als Meister in Breslau seit 1732. Im selben Jahr wurde er auch Bürger Er ist 1774 in Breslau gestorben. Hentschel hat mehrere Leuchter und Girandolen im Rokoko Stil hergestellt, die Hintze in öffentlichem und kirchlichem Besitz erwähnt.

Literatur

Hintze, Erwin, Die Breslauer Goldschmiede: Eine archivalische Studie, Breslau: Kommissionsverlagvon Karl W. Hiersemann, 1906
Rosenberg, 1925, Der Goldschmiede Merkzeichen. Dritte, erweiterte und illustrierte Auflage, 1. Band/Deutschland A-C, Frankfurt am Main: Frankfurter Verlags-Anstalt A.-G.