• Silber Dresdner Hofsilberkammer, Wettin, Friedrich August III.

Satz von zwei großen Platten, Silber aus dem Familiensilber des Hauses Wettin, Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen (1750-1827)

Objektnummer:

Dresden, ca. 1770
Gebrüder Schrödel

Stadtzeichen: Stadtzeichen für Dresden der dritten Viertel des 18. Jahrhunderts: in einem ovalen Schild die Gestalt eines Wappens mit den gekreuzten Schwertern, einem „D“ und der Zahl der Lötigkeit (Feingehalt), hier die Zahl „13“ und eine Krone im oberen Bereich des Schildes (wie die Nr. 1680 im Rosenberg, aber mit „13“).
Meisterzeichen: „Gebr./S“ in einem geschweiften Schild für die Gebrüder Schrödel (Rosenberg no. 1679).
Jahreszahl: ähnlich wie ‘G’ für 1767 (Rosenberg Nr. 1710).
Gravur: ligiertes „FA“ unter Kurhut, Inventarnummer und Gewichtsangaben. Tremulierstiche

Gewicht insgesamt: 3115 g.; Durchmesser: 36 cm. (14,2 in.)

Detaillierte Informationen

Der vorliegende Satz von zwei großen Platten stammt ursprünglich aus dem Familiensilber der Wettiner und zwar für Friedrich August III./I. von Sachsen hergestellt.

Die Platten sind rund und haben einen wellig gestalteten Rand. Auf der Rückseite des Spiegels, die Alleinstellungsmerkmale für das Familienservice der Wettiner: „FA“ unter Kurhut, die Inventarnummer – hier „10“ und „24“ – und die Gewichtsangaben.

Friedrich August III. (I. Sachsen) (1750-1827)

Friedrich August III. war der zweite und einzige, überlebende Sohn des Kurfürsten Friedrich Christian (1722-1763) und seiner Gemahlin Prinzessin Maria Antonia Walpurgis von Bayern (1724-1780). Sein Vater hat 1763 die Macht von Friedrich August II. übernommen, er ist aber 3 Monate später gestorben.

Friedrich August III. übernahm für 59 Jahre die Macht – und damit hatte er die längste Regentschaft aller Wettiner. Bis zu seinem 18. Lebensjahr, im Jahr 1768, wurde die Regentschaft durch seinen Onkel Franz Xaver (1730-1806) und seine Mutter vertreten.

1769 heiratete Friedrich August Maria Amalie Auguste, Pfalzgräfin von Zweibrücken-Birkenfeld-Bischweiler (1752-1828), Schwester des Königs Maximilian I. Joseph von Bayern. Das königliche Paar hatte vier Kinder, aber nur eine Tochter, Maria Augusta von Sachsen, hat überlebt.

Friedrich August wurde während der napoleonischen Kriege in den Kampf gegen Frankreich gedrängt. Doch Napoleon zog den besiegten Friedrich August 1806 auf seine Seite. Kurfürst Friedrich August III. wurde 1806 durch Napoleons Gnaden König Friedrich August I. von Sachsen. 1807 hatten Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Zar Alexander I. von Russland den Frieden von Tilsit mit Napoleon geschlossen. Eine Folge dieses Friedensvertrags war die Ernennung Friedrich Augusts zum Herzog von Warschau. Friedrich August, der die angetragene erbliche, polnische Königswürde 1791 abgelehnt hatte, konnte sich diesmal nicht verweigern.

Die Bindung an Napoleon verpflichtete Sachsen Truppen gegen die alliierten Preußen, Russen und Österreicher zur Verfügung zu stellen. Nach der für Napoleon verheerenden Völkerschlacht bei Leipzig vom 16/18. Oktober 1813 brachte man den Kriegsgefangenen König Friedrich August I. nach Berlin.

1815 kehrte der König Friedrich August I. von Sachsen zurück. Sachsen wurde durch ein russisches und danach ein preußisches Generalgouvernement verwaltet, verlor zwei Drittel des Territoriums und ein Drittel seiner Bevölkerung. Die folgenden Jahre der Regierung Friedrich Augusts bis zum seinem Tod verliefen still.

Das Wettiner Hofsilber und das Monogramm „FA“

Der Hof der Wettiner in Sachsen öffnete sich in allen Bereichen der Lebensart den Einflüssen, die vom französischen Hofe Ludwigs XIV. in Versailles ausgingen, unter Kurfürst Johann Georg III. (1647-1691) und Kurfürstin Anna Sophia von Dänemark (1647-1717). Die Tafelkultur und insbesondere Silber Services zählten im besonderem Maße zu diesem glanzvollen und offiziellen Leben.

Prinz Friedrich August folgte 1694 seinem verstorbenen Bruder Johann Georg als Kurfürst. Friedrich August erwarb 1697 die polnische Königskrone. Mit einer kurzen Unterbrechung zwischen 1706 und 1709 wurde das Kurfürstentum Sachsen in Personalunion mit dem Königreich Polen von 1697 bis 1763 von den beiden Kurfürst-Königen Friedrich August I. und II. von Sachsen regiert, die als polnische Könige die Namen August II. und August III. trugen.

Während dieser Augusteischen Ära begann am sächsisch-polnischen Hof unter Friedrich August I., benannt auch August der Starke, eine einzigartige Prachtentfaltung, vom Hof in Versailles besonders beeinflusst. Dresden blieb auch nach dem Erwerb der polnischen Krone der Sitz der Regierung und auch der Hauptstandort der Hofsilberkammer, die steigende Bedeutung gewann. Silberaufträge wurden vorwiegend in Gold- und Silberschmiede in Dresden verteilt.

Nach dem Siebenjährigen Krieg wurden Teile der Service in der Hofsilberkammer eingeschmolzen. Doch ab 1765 wurden neue Aufträge für die Hofsilberkammer vergeben und zwar an die Brüder Carl David und Friedrich Reinhard Schrödel.

In den Jahren 1774, 1789 und 1876 wurden drei Inventare des Hofsilbers mit Einträgen über Abgänge und Vermehrungen des Hofsilbers angelegt und zugängig. Dort werden sechs Service des 18. und frühen 19. Jahrhunderts aus weißem Silber und neben Angaben zu den Besitzerinitialen erwähnt. Das sogenannte Familiensilber „von Schrödel“ trägt als Kennzeichen „FA“ unter dem Kurhut. Ein weiteres Service trägt das Meisterzeichen von Carl David Schrödel (†1773) und wurde durch die Gebrüder Schrödel (wohl seine Söhne) ergänzt. Es trägt ebenfalls das Monogramm „FA“ unter dem Kurhut. Ein drittes Service vom „Schrödel“ (Carl David Schrödel in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Goldschmied Christian Heinirch Roßbach) trägt das Monogramm „FA“.

Die Service aus Silber mit dem „FA“ Monogramm bilden einen einheitlichen Stil und könnten auch als zusammengehörig bezeichnet werden. Die Gegenstände aus Silber aus dem Service der Wettiner tragen zusätzlich zu dem Monogramm Inventarnummer und Gewichtsangaben.

Wettiner Silber im Wandel der Zeit

Die Dresdner Hofsilberkammer existierte noch in ihrer damaligen Gesamtheit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und der Abschaffung der Monarchie. Sie war zweifellos eine der reichsten ihrer Art in Deutschland. 1919 wurde alles was die Wettiner in Sachsen besaßen vom Staat beschlagnahmt. Nach 1924 gelangte die Hofsilberkammer in den Besitz des Familienvereins Haus Wettin Albertinische Linie e.V., dessen Verwalter Prinz Ernst Heinrich von Sachsen, Herzog zu Sachsen (1896-1971) war. Die Kunstwerke des 18. Jahrhunderts haben wohl hauptsächlich den Ruf der Silberkammer begründet und waren dafür besonders begehrt. 1937 ließen sich die Kunstwerke und Gegenstände aus Silber der Wettiner zum letzten Mal inventarisieren.

Mit dem Anfang und Fortsetzung des Zweiten Weltkrieges stellte Prinz Ernst Heinrich einen detaillierten Sicherheits- und Evakuierungsplan aus dem Schloss Moritzburg auf. Die Kunstwerke wurden zum Mittelpunkt der Rettung. Ihm standen nur wenige Personen, darunter seine Söhne, zur Hilfe. 1944 wurde ein Teil des Wettin-Silbers in Holzkisten gelagert und mit Hilfe sechs französischer Kriegsgefangener vergraben (insgesamt 43 Kiste) oder in der Kirche in Reichenberg versteckt. 1945 wurden Prachtstücke des sächsischen Hofsilbers zur Sicherung abtransportiert. Doch wurden viele Silbergegenstände aus diesen Schätzen eingeschmolzen sowie andere nach 1946/47 z.T. ausgegraben und nach Russland als Kriegsbeute gebracht.

Nach dem Kriegsende kamen in den 1990er Jahren einige Objekte zurück nach Deutschland. Andere Gegenstände und Kunstwerke aus der Silberkammer der Wettiner wurden auf dem schwarzen Markt und in unterschiedlichen, herausragenden Auktionen durch die Welt verkauft.

Die faszinierte Geschichte der Sammlung sowie die Änderungen der Besitzverhältnisse über die Jahrzehnte verleiht dem Wettiner Silber besonderen Charakter eine gewisse Legende. Viele Objekte gehörten schon vor und nach dem zweiten Weltkrieg sehr bekannten Sammlern, wie etwa der bolivianische „Zinnkönig“ Antenor Patiño (1896-1982) und der Franzose Uhrmacher Louis Cartier (1875-1942).

Der vorliegende Satz von zwei Platten war Teil der Sammlung Dr. Helmut Seling, München.

Meister: Carl David Schrödel ist um 1712 geboren und wurde 1741 Meister in Dresden. Er ist als Goldarbeiter und Hofjuwelier ausgewiesen und starb 1773 in Dresden. Friedrich Reinhard Schrödel ist um 1728 geboren und wurde 1756 Meister in Dresden. Er ist als Goldarbeiter und Hofjuwelier ausgewiesen und starb 1796 in Dresden.

Literatur

Arnold, Ulli, Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Grünes Gewölbe (Hrsg.), Dresdner Hofsilber des 18. Jahrhunderts, Berlin: Kulturstiftung der Länder – Bundesrepublik Deutschland – Freistaat Sachsen, 1994.
Kretschmann, Georg, Das Silber der Wettiner: Eine Schatzsuche zwischen Moskau und New York, Berlin: Ch. Links Verlag, 1995.
Rosenberg, Marc, Der Goldschmiedemerkzeichen, Dritte erweiterte und illustrierte Auflage, Bd. II: Deutschland D-M, Frankfurt a. Main: Frankfurter Verlags-Anstalt, 1923.