Satz von zehn königlichen Salzgefäßen, Silber, innen vergoldet aus dem Familiensilber des Hauses Wettin, Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen (1750-1827)

Objektnummer: #1002

Dresden, ca. 1770

Carl David Schrödel (1712-1773)

Beschauzeichen: für Dresden während des dritten Viertels des 18. Jahrhunderts: in geschweiftem Schild die Gestalt eines Wappens mit den gekreuzten Schwertern, einem „D“ und der Zahl der Lötigkeit (Feingehalt). Hier, im oberen Feld die Zahl „13“ und im unteren Feld der Buchstabe „D“ (Rosenberg 1923, Nr. 1675)

Meisterzeichen: „CD/S “ in geschweiftem Schild für Carl David Schrödel (Rosenberg 1923, Nr. 1806)

Gravuren: ligiertes „FA“ unter Kurhut, Inventarnummer und Gewichtsangaben, Tremulierstiche

 

Länge: 10 cm (4 in.); Höhe: 4,4 cm; Durchmesser (innen): 6,2 und (außen) 9,4 cm; Gesamtgewicht: 1.777 g.

Detaillierte Informationen

Der vorliegende Satz von zehn Salzgefäßen stammt aus dem Familiensilber der Wettiner. Er wurde für Friedrich August III./I. von Sachsen hergestellt. Vier Gefässe aus diesem Satz von 10 befanden sich Anfang des 20. Jahrhunderts in der Sammlung Goldschmidt-Rothschild.

Das Salzgefäß ist oval mit einem leicht lappigen Korpus und hat einen gebuckelten Rand. Es steht auf einem gegossenen, eingezogenen Fuß und ist innen vergoldet. Die Objekte sind ausgesprochen qualitätvoll gearbeitet und sind insbesondere auch im Hinblick auf die Innenvergoldung und das Gewicht beeindruckend.

Unter den Salzgefäßen sind für das Servicekennzeichen “FA” unter Kurhut Monogramm, die Inventar Nummer sowie die Gewichtsangaben graviert.

Die Inventar Nummer lauten: 27, 30, 32, 33, 41, 44, 45, 46, 47 und 48. Diese Inventarnummer unterstreichen den Umfang des ursprünglichen Services.

Die Gewichtsangaben weisen auf 12lötiges Silber hin („12lt“ eingraviert).

Friedrich August III. (I. Sachsen) (1750-1827)

Friedrich August III. war der zweite und einzige überlebende Sohn des Kurfürsten Friedrich Christian (1722-1763) und seiner Gemahlin Prinzessin Maria Antonia Walpurgis von Bayern (1724-1780). Friedrich Christian hat 1763 die Macht für nur drei Monate übernommen.

 Friedrich August III. übernahm für 59 Jahre die Macht – und damit die längste Regentschaft aller Wettiner. Bis zu seinem 18. Lebensjahr, im Jahr 1768, wurde die Regentschaft durch seinen Onkel Franz Xaver (1730-1806) und seiner Mutter vertreten.

1769 heiratete Friedrich August Maria Amalie Auguste, Pfalzgräfin von Zweibrücken-Birkenfeld-Bischweiler (1752-1828), Schwester des Königs Maximilian I. Joseph von Bayern. Das königliche Paar hatte vier Kinder, aber nur eine Tochter, Maria Augusta von Sachsen, hat überlebt.

Friedrich August wurde während der napoleonischen Kriege in den Kampf gegen Frankreich gedrängt. Doch Napoleon zog den besiegten Friedrich August 1806 auf seine Seite. Kurfürst Friedrich August III. wurde 1806 durch Napoleons Gnaden König Friedrich August I. von Sachsen. 1807 hatten Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Zar Alexander I. von Russland den Frieden von Tilsit mit Napoleon geschlossen. Eine Folge dieses Friedensvertrags war die Ernennung Friedrich Augusts zum Herzog von Warschau. Friedrich August, der die angetragene erbliche, polnische Königswürde 1791 abgelehnt hatte, konnte sich diesmal nicht verweigern.

Die Bindung an Napoleon verpflichtete Sachsen Truppen gegen die alliierten Preußen, Russen und Österreicher zur Verfügung zu stellen. Nach der für Napoleon verheerenden Völkerschlacht bei Leipzig vom 16/18. Oktober 1813 brachte man den Kriegsgefangenen König Friedrich August I. nach Berlin. 

1815 kehrte der König Friedrich August I. von Sachsen zurück. Sachsen wurde durch ein russisches und danach ein preußisches Generalgouvernement verwaltet, verlor zwei Drittel des Territoriums und ein Drittel seiner Bevölkerung. Die folgenden Jahre der Regierung Friedrich Augusts bis zum seinem Tod verliefen still.

Das Wettiner Hofsilber und das Monogramm „FA“

Der Hof der Wettiner in Sachsen öffnete sich in allen Bereichen der Lebensart den Einflüssen, die vom französischen Hofe Ludwigs XIV. in Versailles ausgingen, unter Kurfürst Johann Georg III. (1647-1691) und Kurfürstin Anna Sophia von Dänemark (1647-1717). Die Tafelkultur und insbesondere Silber Services zählten im besonderem Maße zu diesem glanzvollen und offiziellen Leben.

Während der Augusteischen Ära (seit 1694) begann am sächsisch-polnischen Hof unter Friedrich August I. (1670-1733), benannt auch August der Starke, eine einzigartige Prachtentfaltung, vom Hof in Versailles besonders beeinflusst. Dresden blieb auch nach dem Erwerb der polnischen Krone der Sitz der Regierung und auch der Hauptstandort der Hofsilberkammer, die steigende Bedeutung gewann. Silberaufträge wurden vorwiegend an Gold- und Silberschmiede in Dresden vergeben.

Nach dem Siebenjährigen Krieg wurden Teile des Service der Hofsilberkammer eingeschmolzen. Doch ab 1765 wurden neue Aufträge für die Hofsilberkammer vergeben und zwar an die Brüder Carl David und Friedrich Reinhard Schrödel.

In den Jahren 1774, 1789 und 1876 wurden drei Inventarverzeichnisse des Hofsilbers mit Einträgen über Abgänge und Zugänge des Hofsilbers angelegt und zugänglich gemacht. Dort werden sechs Service des 18. und frühen 19. Jahrhunderts aus weißem Silber mit Angaben zu den Besitzerinitialen erwähnt. Das sogenannte Familiensilber „von Schrödel“ trägt als Kennzeichen „FA“ unter dem Kurhut.

Die Service aus Silber mit dem „FA“ Monogramm bilden einen einheitlichen Stil und könnten auch als zusammengehörig bezeichnet werden. Die Gegenstände aus Silber aus dem Service der Wettiner tragen zusätzlich zu dem Monogramm Inventarnummer und Gewichtsangaben.

Erich von Goldschmidt-Rothschild (1894-1987)

Erich von Goldschmidt-Rothschild lebte in Berlin und war, wie sein Name erahnt, Mitglied einer bedeutenden jüdischen, assimilierten Familie in Deutschland. Er war ein kultivierter Mann mit einem ausgeprägten, persönlichen Geschmack und umfassenden Kenntnissen über Objekte und Kunstwerke. Seine umfangreiche, charaktervolle Sammlung bestand aus Gemälden, Zeichnungen, Farbstichen, Möbeln, Silber, Tapisserien und anderen Kunstwerken. Seine Objekte waren – sozusagen als Gesamtkunstwerk – eingebettet in die Dekoration seiner Wohnräume. Seine Sammlung wurde schließlich zusätzlich bereichert durch das Vermächtnis der Baronin Mathilde von Rothschild (1832-1924) (Frankfurt) und des Barons Ferdinand von Rothschild (1839-1898) (London).

Die Sammlung Erich von Goldschmidt-Rothschild wurde 1931 in Berlin vom Auktionshaus Ball-Graupe versteigert. In dieser Auktion wurden auch vier Objekte aus dem vorliegenden Satz von zehn Salzgefäßen verkauft (Lot Nr. 211).

Diese vier sowie die übrigen sechs Salzgefäße wurden Jahre später, 1988, vom Auktionshaus Habsburg-Feldmann in Genf versteigert (Lot Nr. 155) (s. Etikette in manchen Salzgefäßen unten, am Boden).

Meister: Sohn des Carls Heinrich Schrödel, Carl David Schrödel (geb. 1712) wurde 1741 Meister in Dresden. Er ist als Goldarbeiter und Hofjuwelier ausgewiesen und starb 1773 in Dresden.

Die Witwe von Carl David Schrödel sowie seine Söhne haben die Werkstatt weitergeführt und mit zusätzlichen Serviceteilen die Wettiner versorgt.

Literatur

Arnold, Ulli, Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Grünes Gewölbe (Hrsg.), Dresdner Hofsilber des 18. Jahrhunderts, Berlin: Kulturstiftung der Länder – Bundesrepublik Deutschland – Freistaat Sachsen, 1994.

Kretschmann, Georg, Das Silber der Wettiner: Eine Schatzsuche zwischen Moskau und New York, Berlin: Ch. Links Verlag, 1995.

Rosenberg, Marc, Der Goldschmiedemerkzeichen, Dritte erweiterte und illustrierte Auflage, Bd. II: Deutschland D-M, Frankfurt a. Main: Frankfurter Verlags-Anstalt, 1923.

Schnorr von Carolsfeld, L. und Huth, H. (Einl. und Be.), Die Sammlung Erich von Goldschmidt-Rothschild, Ausst. 16. März 1931; Versteigerung 23-25. März 1931 Berlin: Hermann Ball – Paul Graupe, 1931.