Paar feine, frühe englische Leuchter mit Chinoiserie

Objektnummer: #708

London 1688/9 (James II Periode)
Meister: Anthony Nelme

Marken:
Beschauzeichen: Gekrönter Löwenkopf für London (Jackson 1921: 84)
Meisterzeichen: Monogramm „AN“ im geschweiften Schild für Anthony Nelme
(Jackson 1921: 146; Grimwade3 1990: 605-6)
Jahresbuchstabe: Ein „ł“ im Schild für 1688/9 (Jackson 1921: 84)

Maße: Höhe: 15,2 cm (5,9 in.), Gewicht: je 320 g

Detaillierte Informationen

Paar frühe, englische Silberleuchter mit Chinoiserie

Dieses silberne Leuchterpaar ist ein sehr interessanter, früher Typus des englischen Silbers. Der breite, runde und leicht gewölbte Fuß steht auf einer oktogonalen, kräftigen Basis. Diese sollte zum Auffangen der Kerzentropfen dienen. Der Fuß ist mit naturalistischem, ziseliertem Dekor verziert. Es handelt sich dabei um Chinoiserien. Der Schaft des Leuchters ist mit profilierten Ringen geschmückt, die in einer Harmonie mit den stark profilierten Nodi sind. Die balusterförmige Tülle ist mit ziselierten Schrägbalken dekoriert. Die Leuchter sind wahrscheinlich Teil eines Toilettenservices.

Englisches Silber

Die englische Gold- und Silberschmiede hat eine lange Geschichte. Das System des Silber Feingehalts, der Sterling Standard (11 Oz. 2. dwts. Reines Silber und 18 dwts. Metalllegierung), wurde schon im Jahr 1300 festgestellt und blieb bis 1696 (Einführung des Britannia Standards) unverändert. Ab 1720 ging man wieder auf den Sterling Standard zurück.

Der letzte Viertel des 17. Jahrhunderts wird als das „silberne Zeitalter“ Englands erwähnt. Nach der Regierungszeit Charles II. (1630-1685) gab es politische Unruhen in England und es wurde sehr wenig neues Silber hergestellt und darüber hinaus wurden alte Stücke eingeschmolzen. Gleichwohl haben Adel und der Hof Luxusobjekte aus Silber sehr hoch geschätzt.
Gegen Ende der Regierungszeit Charles II. und noch während der Regierungszeit seines Bruders James II. (1685-1688) (die sog. Stuart-Restauration-Zeit) wurden Ranken, Landschaften und Figuren im chinesischen Stil sehr modisch.
Nanking-Porzellan Waren, die nach England importiert wurden, haben als Muster für solche Dekorationsmotive gedient. Diese Chinoiserie-Muster wurden an unterschiedlichen Objekten angewendet (Humpen, Vasen, Leuchter, usw.).
Doch sind Chinoiserien insbesondere anzutreffen bei Toiletten-Garnituren (vgl. Jackson 1911: 255/Abb. 267, 268, 269). Bei dem besprochenen Leuchterpaar mit Chinoiserien handelt es sich zweifellos um besonders schöne Objekte.
Ein ähnlicher Leuchtertypus mit Chinoiserien aus einem Toiletten-Service beim englischen Silber der gleichen Zeit ist im Museum of Fine Arts, Boston.

Meister

Anthony Nelme war als Sohn von John Nelme geboren. Er hat 1672 bei Richard Rowley seine Lehre angefangen und bei Isaac D(e)ighton 1679 oder 1680 sie abgeschlossen. Er war assistant des Court of Goldsmiths 1703 und Ältermann 1717 und 1722 gewählt worden. Er ist vor 18 Februar 1723 gestorben.

Anthony Nelme war einer der wichtigsten Londoner Silberschmiede in der Zeit um 1700. A. Nelme hat beispielswiese das Service der Stadt London teilweise angefertigt. Auch wenn Nelme sich gegen die Hugenotten gesetzt hat, war er stark beeinflusst von deren Stil. (Grimwade3 1990: 605-6; Honour 1971: 122-7).

Literatur

Dauterman, C. C., 1964, ‚Dream-Pictures of Cathay: Chinoiserie on Restoration Silver’ in Metropolitan Museum of Art Bulletin, 1964, vol. 23 (1), S. 11-25
Grimwade, Ar., 1990, London Goldsmiths 1697-1837. Their marks and lives from the original registers at Goldsmiths’ Hall and other sources, GB: Faber and Faber [Grimwade3]
Honour, Hugh, 1971, Goldsmiths & Silversmiths, London: Weidenfeld & Nicolson
Jackson, Ch. J., 1911, An illustrated History of English Plate, ecclesiastical and secular in which the development of form and decoration in the Silver and Gold Work of the British Isles form the earliest known examples to the latest of the Georgian Period, Bd. I, Plauen i. Vogtl.: C.F. Schulz & Co.
Jackson, Ch., J., 1921, English Goldsmiths and their marks, London: MacMillan and Co. Limited