• Schnupftabakdose Golddose Tabatière Paris

Ovale Louis XV. Golddose

Objektnummer: #826

Paris 1771/2

Jean Joseph Barrière

Detaillierte Informationen

Ovale Louis XV. Golddose

Meisterzeichen: „JJB“ unter Krone und Blume zwischen zwei Punkten für Jean Joseph Barrière (Rosenberg, Nr 6715).

Pächterstempelung: eine Blume für Julien Alaterre (aktiv 1. Okt. 1768-30. Sept. 1774) (Rosenberg, Nr. 6524A)

Jahresbuchstabe (für Gold): „H“ unter Krone für 1771/2 (Rosenberg, Nr. 6428; Markezana, S. 25)

Maße: 7 x 3 cm; Gewicht: 160 g

Die vorliegende, ovale Golddose ist sehr fein und detailreich gearbeitet. Sie ist vor der Französischen Revolution entstanden und zeigt einen interessanten Übergang zwischen dem Louis XV. Stil und dem Neoklassizismus, der im letzten Quartal des 18. Jahrhunderts auftrat.

Der Deckel der Dose ist mittig mit einem runden Medaillon, umgeben von Lorbeerblättern, geschmückt, das einen zentralen Platz in dem dekorativen Programm einnimmt. Das Medaillon zeigt einen Helm, eine Köcher mit Pfeil sowie Blumen. Diese Objekte – Jagdtrophäen – stellen offensichtlich einen Bezug zur Jagd und damit zu der Person, die die Dose besaß, dar. Der Scharnierdeckel ist weiterhin mit einem gerillten Wellenmotiv und einem Fries bestehend aus Eiern, Ähren und Bändern dekoriert. Der gleiche Fries wiederholt sich auf der Vorderseite des Klappdeckels, nun wird noch ein Korb mit Blumen an vier Stellen (zweimal vorne und zweimal hinten) hinzugefügt. Der Korpus der Dose besteht aus gerillten, eckigen Feldern und an vier Stellen wird er von rechteckigen Säulen dekoriert. Diese Säulen wiederholen im Kleineren die Motive, die sich auf der Deckelkartusche befinden: Köcher, Pfeil und Blumen. Diese vier Säulen, die an antike Säulen erinnern, sowie der Lorbeerblattfries des Deckels stellen die Merkmale des kommenden Neoklassizismus dar. Ein dekorativer Fries am Boden ergänzt sehr schön die Gestaltung der Dose. Der Boden ist ebenfalls mit einem Fries und einem gerillten Feld geschmückt. Alle drei Marken sind im inneren, an drei Stellen ligiert: am Deckel, Korpus und am Boden.

Schnupftabakdosen

Dosen wie die Vorliegende wurden hauptsächlich für den Schnupftabak aber auch für die Aufbewahrung von Puder, Rouge, Pillen und Bonbons benutzt. Diese luxuriösen Objekte – schöne Kunstwerke im Kleinen – der galanten Welt wurden nach dem Ableben von Louis XIV. (1715) Mode in Frankreich. Dieser hat bekanntlich die verbreitete Gewohnheit des Schnupfens abgelehnt.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde der Schnupftabak nicht nur eine interessante Einnahmequelle für den Staat (durch die Steuer), sondern auch ein wichtiges und raffiniertes, gesellschaftliches Ritual. Hierzu wurden sehr schnell entsprechende Accessoires entwickelt, die den Status und Geschmack der Schnupftabakbenutzer unterstutzten. Die Goldschmiede und andere Künstler haben vor diesem Hintergrund fantasievoll ihr künstlerisches und handwerkliches Können gezeigt.

Schnupftabakdosen wurden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Je teurer das Material desto wichtiger der Besitzer! Dosen waren folglich Kostbarkeiten der galanten Waren und stellten deswegen gleichzeitig eine Wertanlage dar. Goldene Dosen – besonders reich und elaboriert dekoriert – wurden von den Französischen Monarchen als diplomatische Geschenke benutzt. Ein solches, früheres Beispiel stellt eine goldene Dose mit Email und Diamanten im Louvre (Meister: Daniel Govaers) dar, die 1726 von Louis XV an Baron Cornelis Hop, Botschafter von Holland (1685-1762) verschenkt wurde.

Meister

Der Pariser Goldschmied Jean Joseph Barrière wurde 1763 Meister und war bis 1793 aktiv. Er war auf Dosen spezialisiert. Das Metropolitan Museum in New York besitzt eine Reihe seiner Dosen (s. z.B. zwei herausragenden Dosen hierund hier). Andere bekannte und wichtige Beispiele seines Werkes sind im Louvrezu sehen.

Literatur

Yves Markezana, Les poinçons français d’or, d’argent, de platine de 1275 à nos jours, éditions VIAL, 2005

Marc Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen (Band 4): Ausland und Byzanz, Frankfurt am Main: Frankfurter Verl. Anst., 1928