Silber, Kölner Becher mit Allegorien

Objektnummer: 266

Köln, um 1600

Ludwig Kaff II.

Beschauzeichen: im Schild drei Kronen, darunter Flammenzungen für Köln (Anlehnung an das Stadtwappen) (Scheffler 1965, S. 369, Nr. 585).

Meisterzeichen: „LK“ ligiert im Kreis für Ludwig Kaff II. (Scheffler 1965, S. 463, Nr. 966).

Höhe: 8,3 cm (3,25 in.); Gewicht: 75 g.

Detaillierte Informationen

Silberner Kölner Becher mit Allegorien

Der vorliegende Becher ist aufgrund seiner Ausführung sowie seiner allegorischen Darstellungen ein schönes Objekt deutscher Goldschmiedekunst aus Köln.

Er ist konisch mit einem leicht ausladenden Lippenrand. Auf einer etwas gröberen Standplatte erhebt sich die Kuppa, an deren unteren Rand ein Fries mit geometrischen Formen angebracht ist. Am Lippenrand ist ein Akanthusfries zwischen zwei parallel geführten Bändern eingraviert. Das untere wird drei Mal überlappend über den Fries nach oben gebogen. In diesen freien Halbkreisen beginnen die Kopfteile der drei Medaillons, die in die Wandung des Bechers eingraviert sind. Alternierend zu den Kartuschen sind in den Freiflächen verschiedenste Früchte, wie Äpfel und Birnen, zusammen mit Akanthusblättern dargestellt. In den ovalen Bildnissen sind Tugendallegorien abgebildet. Im ersten Medaillon wird eine Frau mit einem Lamm gezeigt – Mansuetudo (Sanftmut). Das Zweite präsentiert ebenfalls eine weibliche Figur, diesmal mit Waage und Schwert – Justitia (Gerechtigkeit). Im Dritten wird wieder eine Frauenfigur mit einer Säule, dargestellt – Fortitudo (Tapferkeit).

Die Medaillons werden jeweils von einem aufwendigen gravierten Dekor umrahmt. Unter den allegorischen Darstellungen ist jeweils ein stilisierter Pinienzapfen eingraviert.

Diese drei Allegorien stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit einer Botschaft über die Tugenden einer bestimmten Frau, möglicherweise die Frau des Auftraggebers.

Kölner Goldschmiedekunst

Der vorliegende Becher ist ein typisches Objekt der Kölner Goldschmiedekunst des späten 16. Jahrhunderts und des Anfangs des 17. Jahrhunderts. Das gravierte Dekor ist dabei ein ganz wesentliches Merkmal. Der Fries am Lippenrand zwischen den parallel geführten Bändern ist ein vielfach benutztes Dekorelement in der Kölner Goldschmiedekunst. Die sich darunter befindenden Fruchtbündel und Kartuschen sind ebenfalls häufige, dekorative Motive. Das Bildprogramm in den Kartuschen ähnlicher Becher besteht meist aus diesen drei Gruppen: Personifikationen (bzw. Allegorien), Heiligen und auch Blumen.

Im Metropolitan Museum of Art, New York, sind zwei Becher aus dem gleichen Zeitraum erhalten, die ähnlich ausgeführt sind. Für weitere Vergleichsbeispiele zu silbernen Bechern aus Köln sei an dieser Stelle der Katalog von Günther Irmscher aus dem Jahr 2005 empfohlen. Sehr ähnlich ausgeführt sind z.B. die dort abgebildeten Becher mit den Katalognummern 80-85.

Meister

Ludwig Kaff II., Sohn des Wilhelm Kaffs, ca. 1574 zünftig eingeschrieben, in der Liste 1599; 1606 alter Amtsmeister; wird 1607 Verdienter. Sein Bruder war ebenfalls Goldschmied, sowie seine zwei Söhne.

Literatur

Karl Hernmarck: Die Kunst der europäischen Gold- und Silberschmiede von 1450-1830, München 1978.

Wolfgang Scheffler: Goldschmiede Rheinland-Westfalens: 1. Halbband: Aachen – Köln, Berlin 1973.

Carl-Wilhelm Clasen: Rheinische Silbermarken. D. Marken u. Werke d. Rhein. Goldschmiede, Rheinbach-Merzbach 1986.

Günther Irmscher: Kölner Goldschmiedehandwerk. 1550-1800. Eine Sozial- und Werkgeschichte. Sigurd Grevenstudien, Band 5. Regensburg 2005.

Cesare Ripa: Iconologia Overo Descrittione Di Diverse Imagini cauate dall’antichità, & di propria inuentione. Rom 1603 http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ripa1603/0026 (zuletzt aufgerufen am 30.05.2017).

Michaela Bautz, Fortitudo, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. X (2004), Sp. 225–271; in: RDK Labor,  http://www.rdklabor.de/w/?oldid=88950 (zuletzt aufgerufen am 30.05.2017).