• Silberbecher Vermeil Strassburg

Kleiner Straßburger, Silber vergoldeter Becher

Objektnummer: #263

Straßburg, um 1731

Johann Philipp Fucks

Meisterzeichen: „FUCKS“ im Rechteck für Johann Philipp Fucks (Haug 1978, Tafel III; Les Musées de Strasbourg 2004, S. 292).

Importmarke: Schwan in Oval für Import nach Frankreich aus Ländern ohne Handelsvertrag, seit 1893. (Tardy 1962, S. 188 und Rosenberg 1928, S. 207, Nr. 5911)

Höhe: 6,2 cm (2,44 in.); Gewicht: 90 g.

Detaillierte Informationen

Straßburger, Silber vergoldeter Becher

Der vorliegende kleine, Silber vergoldete Becher ist ein schönes Beispiel des Straßburger Vermeils. Er hat eine leicht konische Form, einen halbrunden Bodenabschluss und ist außen und innen vergoldet. Am äußeren Lippenrand sind zwei schmale Ringe eingraviert. Als einziges Dekor sind zwei unter einer Grafenkrone angebrachte Medaillons, auf denen Jagdhörner und Federvieh abgebildet sind. Akanthusblätter und weitere stilisierte Blätter bilden den Rahmen um die beiden Medaillons.

Aufgrund der Dekorwahl ist es sehr wahrscheinlich, dass dieser kleine Becher für eine gräfliche Jagdgesellschaft hergestellt wurde und als Geschenk für die Teilnehmer gedacht war. Die Marke des Meisters ist auf der Bodenunterseite eingeschlagen.

Straßburg und seine Silberschmiede

Die Geschichte der Silberschmiede in Straßburg geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert erlebten die straßburgischen Goldschmiede ihre Blütezeit. Die neuen Administratoren, welche in die Stadt ab 1681 kamen (hoher Beamte, Gouverneur der Provinz, deutsche Kurfürsten mit Eigentum in Elsass), die katholische Priesterschaft und der zurückkehrende Bischof haben zur Vermehrung der Aufträge für Luxus-Objekte beigetragen. Die Mode im Silber in Strasbourg orientierte sich damals an dem „manières françaises“ und nicht mehr an den großen deutschen Silberschmiedestädten Nürnberg und Augsburg. Seit Ende des 17. Jahrhunderts waren die straßburgischen Meister zudem berechtigt, Silberwaren im Namen des Königreichs Frankreich herzustellen.

Wegen der exzellenten Qualität der straßburgischen Vergoldung (Vermeil) und seine Widerstandsfähigkeit gegen Oxidierung erlangte das Vermeil aus Straßburg internationale Bedeutung. Außerdem wurden in Straßburg keine Zollgebühren für exportierte Objekte erhoben und dies hatte zur Konsequenz, dass auch die deutschen Höfe, die sich mittlerweile an der französischen Mode orientierten, Silberobjekte aus Straßburg erwarben.

Meister

Johann Philipp Fucks wurde 1731 Meister in Straßburg. Auf dem Kunstmarkt werden immer wieder Objekte von Fucks gehandelt.

Literatur

Marc Rosenberg: Der Goldschmiede Merkzeichen (Band 4): Ausland und Byzanz, Frankfurt am Main 1928 (http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rosenberg1928bd4, zuletzt aufgerufen am 03.05.2017).

Hans Haug: L’ orfèvrerie de Strasbourg dans les collections publiques françaises (= Inventaire des collections publiques françaises / Inventaire des collections publiques françaises, 22), Paris 1978.

Tardy: Les poinçons de garantie internationaux pour l’argent, Paris 61962.

Helmut Seling: Goldschmiedekunst deutscher Städte. Straßburg. In: Klaus Pechstein und et Al. (Hrg): Schätze deutscher Goldschmiedekunst von 1500 bis 1920. Aus dem Germanischen Nationalmuseum, Berlin 1992

Les Musées de Strasbourg: Deux siècles d’orfèvrerie à Strasbourg XVIIIe – XIXe siècles dans les collections du Musée des Arts décoratifs ; [ce catalogue á été publié à l’occasion de l’ouverture des nouvelles salles du Musée des Arts Décoratifs de Strasbourg le 26 novembre 2004], [Strasbourg] 2004.