• Silberne Flasche, Schraubflasche Tee

Silber vergoldete sechseckige Schraubflasche

Objektnummer: #349

Augsburg, ca.  1690

Christian Franck

Beschauzeichen: Ein Pyr für Augsburg 1687-1691 (Seling 2007 S. 44, Nr. 900)

Meisterzeichen: „CF“ im Oval für Christian Franck (Seling 2007 S. 336, Nr. 1674)

Höhe: 9,5 cm (3,74 in.); Gewicht: 161 g.

Detaillierte Informationen

Silber vergoldete sechseckige Schraubflasche

Die kleine, silberne Schraubflasche ist ein charakteristisches Gefäß des späten 17. Jahrhunderts. Der sechseckige Korpus hat einen glatten Boden und die sechs Seiten sind an ihren Außenkanten vergoldet. Ein in einem Oval eingraviertes „AL“ ziert als einziger “Dekor” eine der Seiten. An der Schulter ist der Korpus mit einer sechseckigen, mehrstufigen Platte abgedeckt. Darauf ist der Flaschenhals angebracht, auf dem ein profilierter, mehrfach abgestufter und gewölbter Deckel aufschraubbar ist. Ein gegossener Scharniergriff ist an den Deckel angebracht.

Auf der Unterseite ist zusätzlich „K.M.O.R. Sd 38 und 246“ eingraviert, wahrscheinlich der Hinweis auf einen ehemaligen Besitzer.

Im Felicitassaal des Augsburger Maximilianmuseum ist ein Kaffee- und Teeservice – inklusive Schraubflasche – mit ähnlichem Dekor ausgestellt.

Schraubflaschen

Schraubflaschen, in verschiedenen Formen und Größen, dienten meist als Transportbehältnisse für Flüssigkeiten im 17. Jahrhundert. Ursprünglich waren diese Behältnisse von Apothekern für die Aufbewahrung von leicht verdunstenden Flüssigkeiten und von Gewürzen mit starkem Aroma, wie zum Beispiel Vanille, genutzt. Die Schraubflasche diente ebenfalls zur Mitnahme von Getränken auf Reisen. In zylindrischer, mehrpassiger oder eckiger Form sind diese Gefäße teilweise sehr schlicht aber auch mit elaboriertem Dekor ausgeführt.

Augsburg

Die Stadt Augsburg gilt neben Nürnberg als eine der wichtigsten Städte in Deutschland für Goldschmiedekunst aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Die Höfe Europas, sowie Kirchen, Synagogen, Städte, reiche Bürger und Zünfte zählten zu den Kunden der Augsburger Gold- und Silberschmiede. Diese führten Aufträge jeder Größe und Art auf einem außerordentlich hohen künstlerischen Niveau aus, so dass die Augsburger Arbeiten in ganz Europa geschätzt wurden. Heute genießen historische Augsburger Silber- und Goldobjekte einen prominenten Platz in öffentlichen und privaten Sammlungen auf der ganzen Welt.

Meister

Christian Franck war ein um 1638 in Augsburg geborener evangelischer Goldschmied. Um 1666 wurde er Meister und heiratete das erste Mal. 1685 das zweite und 1687 das dritte Mal. Im Jahr 1689 ging er die vierte Ehe ein. 1704 starb Christian Franck. Seine Werke haben sich heute unter anderem in Privatbesitz erhalten.

Literatur

Karl Hernmarck: Die Kunst der europäischen Gold- und Silberschmiede von 1450-1830, München 1978.

Helmut Seling: Die Augsburger Gold- und Silberschmiede 1529 – 1868. Meister Marken Werke, München 2007.

Kurt F. Viermetz (Hg): Glückliche Momente. Neuerwerbungen 2001–2015, Augsburg 12016.