• Silber Straßburger Becher

Silber vergoldeter, gravierter Becher, in Régence-Stil

Objektnummer: #262

Straßburg, 1725-1731

Johann Jacob Ehrlen

Beschauzeichen: In einem Schild eine schräggestellte „13“, gekrönt von einer Fleur-de-lys, für 13-lötiges Silber aus Straßburg seit 1728 (Rosenberg (4), S. 316, Nr. 6917)

Meisterzeichen: In einem Vierpass auf zwei Zeilen „EHR/LEN“ für Johann Jacob Ehrlen (Haug 1978, Tafel III).

Höhe: 9,9 cm (3,89 in.); Durchmesser (Lippenrand): 8 cm (3.14 in.); Durchmesser (Boden): 5 cm (1,96 in.); Gewicht: 170 g.

Detaillierte Informationen

Silber vergoldeter, gravierter, Straßburger Becher, in Régence-Stil

Der vorliegende Becher ist ein schönes Beispiel der Straßburger Goldschmiedekunst im Régence-Stil. Auf einem runden, mehrstufigen und leicht gewölbten Fuß erhebt sich der tulpenförmige Korpus mit ausladenden Lippenrand. Der Fuß ist mit einem zurückgesetzten vertikalen Godronenfries verziert.

Die Außenwandung ist hauptsächlich glatt belassen und nur am oberen Rand des Bechers graviert. Alternierend sind große, ausladende und kleinere Elemente eines Bandelwerk-Frieses mit Akanthusblättern und stilisierten Blüten sowie Muscheln angebracht. Nach oben am Lippenrand schließt dieses Dekor mit zwei schmalen Ringen ab.

Der Becher ist außen und innen vergoldet; ebenfalls an der Bodenunterseite, so wie es ganz typisch für französische Objekte ist. Insgesamt ist zudem zu erwähnen, dass das Vermeil in einem guten Zustand ist. Im Straßburger musée des arts décoratifs Becher erhalten (s. Les Musées de Strasbourg 2004, S. 55-57).

Silberschmiedekunst in Straßburg

Die Geschichte der Silberschmiede in Straßburg geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert erlebten die straßburgischen Goldschmiede ihre Blütezeit. Die neuen Administratoren, welche in die Stadt ab 1681 kamen (hoher Beamte, Gouverneur der Provinz, deutsche Kurfürsten mit Eigentum in Elsass), die katholische Priesterschaft und der zurückkehrende Bischof haben zur Vermehrung der Aufträge für Luxus-Objekte beigetragen. Die Mode im Silber in Strasbourg orientierte sich damals an dem „manières françaises“ und nicht mehr an den großen deutschen Silberschmiedestädten Nürnberg und Augsburg. Seit Ende des 17. Jahrhunderts waren die straßburgischen Meister zudem berechtigt, Silberwaren im Namen des Königreichs Frankreich herzustellen.

Wegen der exzellenten Qualität der straßburgischen Vergoldung (Vermeil) und seine Widerstandsfähigkeit gegen Oxidierung erlangte das Straßburger Vermeil internationale Bedeutung. Außerdem wurden in Straßburg keine Zollgebühren für exportierte Objekte erhoben und dies hatte zur Konsequenz, dass auch die deutschen Höfe, die sich mittlerweile an der französischen Mode orientierten, Silberobjekte aus Straßburg erwarben.

Meister

Jean-Jacques Ehrlen, Sohn eines Pastors, wurde 1700 geboren und 1728 Meister.  Im gleichen Jahr heiratete er die Tochter des Kupferschmieds J.J. Ringler. Seine Tochter heiratete den Goldschmied Jean-Christian Zahrt, welcher nach dem Tod Ehrlens, dessen Werkstatt 1781 übernahm. Jean-Jacques Ehrlen gehört laut Seling (1992) zu den wichtigsten Straßburger Meistern im 18. Jahrhundert. Zwei Ratsherrenbecher des Meisters mit sehr ähnlichen Dekor haben sich im Straßburger musée des arts décoratifs erhalten (s. Les Musées de Strasbourg 2004, S. 56 und 58).

Literatur

Marc Rosenberg: Der Goldschmiede Merkzeichen (Band 4): Ausland und Byzanz, Frankfurt  am Main 1928 (http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rosenberg1928bd4, zuletzt aufgerufen am 03.05.2017).

Helmut Seling: Goldschmiedekunst deutscher Städte: Straßburg. In: Klaus Pechstein und et Al.: Schätze deutscher Goldschmiedekunst von 1500 bis 1920. Aus dem Germanischen Nationalmuseum, Berlin 1992, S. 142-145.

István Heller (Hg): Europäische Goldschmiedearbeiten 1560 – 1860. [anlässlich der Ausstellung “Europäische Goldschmiedearbeiten 1560 – 1860” Couven-Museum, Aachen 15. Februar bis 18. Mai 2003], München 2003.

Hans Haug: L’ orfèvrerie de Strasbourg dans les collections publiques françaises (= Inventaire des collections publiques françaises / Inventaire des collections publiques françaises, 22), Paris 1978.

Les Musées de Strasbourg: Deux siècles d’orfèvrerie à Strasbourg XVIIIe – XIXe siècles dans les collections du Musée des Arts décoratifs ; [ce catalogue á été publié à l’occasion de l’ouverture des nouvelles salles du Musée des Arts Décoratifs de Strasbourg le 26 novembre 2004], [Strasbourg] 2004.