EIN PAAR ELEGANTE DANZIGER BAROCKBECHER MIT AUFWENDIGER WAPPENGRAVUR DER FAMILIE VON BRÅKENHIELM, SILBER, TEILVERGOLDET

Objektnummer  

Danzig, um 1695

Meister: Nathanael Schlaubitz

Beschauzeichen: BZ „Doppelkreuz unter Krone“ für Danzig ca. 1689–99, (R3 Nr.1500 oder Gradowski Nr. 11, Gdansk)

Meisterzeichen: NS im Rechteck, (R3 Nr. 1585 oder 1586, Czihak III, Nr. 395 b) MZ Nathanael Schlaubitz (1662–1726), Meister 1690–1726 (Gradowski 494 C).

Silber, getrieben, graviert, punziert, teilvergoldet

Höhe: 13,5 cm (5,31 in.); Gewicht: 537,5 g

Detaillierte Informationen

Die beiden eleganten Barockbecher, sind eindeutig als Pendant konzipiert. Sie erheben sich über einem flach gearbeiteten Boden und wölben sich nach oben hin leicht konisch nach außen. Die Wandung, der in poliertem Silber belassenen Becher, endet in einem mehrfach profilierten Lippenrand. Als Zierelement dient eine effektvoll eingesetzte, originale Vergoldung, die in einem schmaleren Band den unteren Abschluss des Bechers und in einem breiteren Band den Lippenrand des Bechers umzieht. Das innere des Bechers wurde ebenfalls vergoldet – wobei die abwechselnd silbernen und vergoldeten Flächen in spannungsvollem Kontrast zueinanderstehen und dem Becherpaar eine edle Schlichtheit verleihen.

Wappen

Zentral in der Mitte beider Becher, findet sich ein aufwendig graviertes Wappenschild der Familie Bråkenhielm mit den Initialen P und BH im Hochoval, das durch die Kombination aus meisterhafter Gravur und geschickt eingesetzter Vergoldung stark plastisch hervorzutreten scheint. Aufwendig eingerollte und ineinander verwobene Akanthusranken im Hintergrund des Wappens betonen diesen Eindruck noch zusätzlich: Auf dem Wappenschild selbst zeigen die gekreuzten Schwerter, der darunter befindliche mit Pfeil und Bogen bewehrte Arm und das aufgerichtete Schwert, umgeben von je zwei Fahnen auf der Helmzier, die Wehrhaftigkeit und den Kampfesmut seiner Besitzer, der von Bråkenhielm.

Die besondere Betonung des Wappenschildes war vom Auftraggeber beabsichtigt und steht wohl im Zusammenhang mit der Nobilitierung des Hauses Bråkenhielm im Jahr 1683: Die militärische Laufbahn von Peder Svensson Bråk (1646–1720) begann im Dienst des Grafen Wittenberg, mit dem er zunächst 1776 mit der französischen Armee in Deutschland und später mit dem Schwedischen Heer bei Schonen kämpfte. Er war an der Schlacht von Lund beteiligt und wurde zum Dank für seine militärischen Leistungen 1683 in den Adelstand erhoben. Die Becher werden 1737 im Inventar seines Sohnes Hans Georg Bråkenhielm (1684–1736) erwähnt. Die erstklassig gearbeiteten Silberbecher hatten unter dem Familiensilber des Hauses Bråkenhielm sicher einen Ehrenplatz inne, zeigten Sie doch die neu erworbene Adelswürde des Hauses eindrucksvoll auf schlichte Weise.

Meister

Nathanael Schlaubitz war zwischen 1690 und 1726 einer der führenden Goldschmiede des bedeutenden wirtschaftlichen Zentrums Danzig, das für seine hochqualitativen Silberarbeiten bekannt war. Der äußerst vielseitige und erfolgreiche Danziger Meister fertigte sowohl Gebrauchssilber als auch kunstvoll mit biblischen Szenen, figürlichen Szenen, Rankenwerk und Porträts verzierte, aufwendigem Repräsentationsobjekte an. Schlaubitz war dreimal verheiratet, 1691 in erster Ehe mit Anne Konstanze, der Tochter von Peter Röd II und in dritter Ehe mit Catarine Elisabethe Holl – beide Angehörige der wichtigsten Goldschmiedefamilien von Danzig. Er leitete eines der größten Goldschmiedeateliers in der Geschichte Danzigs und bildete zahlreiche Schüler aus. Seine Werke wurden unter anderem in der Ausstellung: „Polish Silver from the 17th century to the first half of the 19th century in the Collection of the Hermitage, Ermitage St. Petersburg 2004/2005” gezeigt, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, Objekte aus der Blütezeit der polnischen Goldschmiedekunst stilvoll, im blauen Schlafzimmer des Winterpalastes, zu präsentieren. Allein 18 seiner Werke befinden sich heute in der Ermitage in St. Petersburg, darunter ein aufwendig getriebener Teller, Flaschen, Henkelvasen, eine Terrine, mehrere Becher, eine Kanne und Kühlgefäße. Weitere seiner fast 200 überlieferten Arbeiten sind im Museum of historical treasures of Ukraine in Kiew sowie im Wilanów Palace Museum in Warschau, im Wawelschloß in Krakau, im Nationalmuseum Danzig und im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zu sehen.

 

Provenienz

Das Becherpaar, eines der frühen Werke von Nathanael Schlaubitz, befand sich in der Privatsammlung der bekannten schwedischen Adelsfamilie von Barbro und Henry Montgomery: Henry Montgomery, schwedischer Jurist und Politiker, war der Sohn von John Montgomery-Cederhielm und seiner Frau Ebba, geborene Silfverstolpe. Er heiratete Barbro Söderberg, die Tochter des bekannten schwedischen Geschäftsmanns und Mäzens Ragnar Söderberg und Ingegerd, geb. Wallenberg, im Jahre 1952 und erwarb gemeinsam mit ihr eine bedeutende Silbersammlung.

Literatur

Czihak, Eugen von, Die Edelschmiedekunst früherer Zeiten in Preussen, Westpreussen, III Danzig, Leipzig 1908 (zu Danzig u. Nathaniel Schlaubitz, S. XVIII, XIX, S. 69-70)

Gradowski, Michał; Kasprzak-Miler, Agnieszka, Złotnicy na ziemiach północnej polski I, Województwo pomorskie, kujawsko-pomorskie i warmińsko-mazurskie; Goldsmiths of Northern Poland, Part I, Central and Eastern part of the region, Warszawa 2002, S. 119-120, G 494 (Nathaniel Schlaubitz)

Gradowski, Michał, Znaki probiercze na zabytkowych srebrach w Polsce, Warszawa 1988, S. 13-16 (Gdansk, zur Stadtmarke von Danzig)

Hernmarck, Karl, Die Kunst der europäischen Gold- und Silberschmiede von 1450-1830, München 1978, S. 78-80

Löhr, Alfred (Hrsg), Danziger Silber, Die Schätze des Nationalmuseums Gdansk, Ausstellungskatalog Bremer Landesmuesum/Focke-Museum (Hefte des Focke Museums Nr. 87), Bremen 1991

Pechstein, Klaus (Hrsg.) Schätze deutscher Goldschmiedekunst von 1500 bis 1920 aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Berlin 1992, S. 97-99 (zu Danzig); S. 202-206 insb. Kat. Nr. 86 (zu Nathanael Schlaubitz)

Rosenberg, Marc, Der Goldschmiede Merkzeichen R3, II. Band, Deutschland D-M, Frankfurt a. Main 1923, S. 2-3, S. 13

Tucholka-Wlodarska, Barbara, Goldschmiedekunst vom 14. bis zum 20. Jahrhundert in den Sammlungen des Nationalmuseums in Gdansk. Danzig 2005