Breslauer Römer, Silber, teilweise vergoldet

Objektnummer #

Breslau c. 1712

Gottfried Körner

Beschauzeichen: Johanneskopf für Breslau (Hintze, Taf. II, 9/Typus II)

Meisterzeichen: „GK“ für Gottfried Körner in Ovalem (Hintze, Taf. IV, Nr. 108)

Stempelmeisterbuchstabe: „B“ für 1712-21 (Hintze Taf. II, 30/Typus I)

Maß: Höhe: 9,5 cm (3,7 in.); Gewicht: 132 g

Detaillierte Informationen

Breslauer Silber Römer-Weinbecher

Der vorliegende „Römer“, Silber, zeigt ausgewogene Proportionen. Auf einem runden, profilierten Fuß erhebt sich ein zylindrischer Schaft. Der Schaft ist mit in zwei Reihen stilisierten, muschelförmigen Nuppen verziert. Die Cuppa ist sechsfach gebuckelt und formt somit eine Blume. Die Wandung der Cuppa ist außen mit feiner Schlagenhautpunzierung dekoriert. Die glatten Flächen um die gepunzten Felder sind vergoldet. Der Becher ist innen vergoldet. Die Marken sind auf der Unterseite des Bodens ligiert.

Römer aus Silber

„Römer“ sind Becher, die eine bestimmte Glasform nachahmen. Römer aus Glas werden seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in der Literatur genannt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erhält der Römer die Form, die typisch für ihn betrachtet ist: gesponnener konischer Fuß, zylindrisches nuppenbesetztes Mittelteil, große gerundete Kuppa. Es scheint, dass Römer in Mittel- und Nordeuropa vorwiegend benutzt wurden. Der Römer war eine Glasform des 17. Jahrhunderts, der sehr häufig Verwendung fand. Die Vielzahl von Römern aus Silber weist weiterhin auf die Beliebtheit dieses Weinbechers hin.

Viele Formen von Römern sind bekannt. Dieser Weinbecher mit der sechs-lippigen Cuppa und die Dekoration mit Muscheln stellt einen Typus, verbreitet im süddeutschen Raum und insbesondere in Augsburg und Nürnberg. Der vorliegende Breslauer Römer wurde Anfang des 18. Jahrhunderts hergestellt und ist somit ein relativ spätes Beispiel eines Römers aus Schlesien.

Meister

Gottfried Körner war Sohn des Christians Körner, Rentschreiber zu Hirschberg. Er wurde 1685 Meister und Bürger von Breslau und heiratete im gleichen Jahr Rosina Buhl. Er starb am 15. März 1722. Weitere bekannten Arbeiten von Gottfried Körner, erwähnt von Hintze, sind ein Kelch und eine Henkelkanne. Für einen sehr kunstvoll ausgeführten Deckelhumpen des Meisters im Germanischen Nationalmuseum, s. im Pechstein und Effmert, Schlesische Goldschmiedearbeiten im Germanischen Nationalmuseum,Kat. Ausst. 1990, Nürnberg: GNM, Kat. Nr. 41 (mit Abb.).

Literatur:

Chambon, R., L’histoire de la verrerie en Belgique du IIesiècle à nos jours, Bruxelles: Ed. de la Librairie Encyclopédique, 1955.

Theuerkauff-Liederwald, A.-El., ‚Der Römer: Studien zu einer Glasform, I – II’, In: Journal of Glass Studies, Bd. X, 1968, S. 114-155 & Bd. XI, 1969, S. 43-69.

Hintze, E., Die Breslauer Goldschmiede: eine archivalische Studie, Breslau/Leipzig: Kommissionsverlag von Karl Hiersemann, 1906.