Bedeutender Augsburger Weinglaskühler, Silber, Innen vergoldet

Objektnummer: #325

Augsburg, 1703-1707

Johann Friedrich Breuer

Beschauzeichen: Pyr für Augsburg 1703-1707 (Seling 2007, S. 52, Nr. 2470)

Meisterzeichen: „IFB“ im Oval für Johann Friedrich Breuer (Seling 2007, S. 470 Nr. 1982)

Durchmesser: 35,5 cm (14 in.); Höhe 21,6 cm (8,5 in.); Gewicht 2755 g.

Ausst.: Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, „Schätze deutscher Goldschmiedekunst. Vom 15. bis zum 20. Jahrhundert aus dem Germanischen Nationalmuseum“ (1988)

Publ.: Ausstellungskatalog „Schätze deutscher Goldschmiedekunst. Vom 15. bis zum 20. Jahrhundert aus dem Germanischen Nationalmuseum, Berlin 1987. (Pechstein 1987, S. 177-8, Kat. Nr. 84).

Detaillierte Informationen

Das große, runde Gefäß ruht auf drei mächtigen Löwenfüßen über Kugeln. Der gewölbte Kessel des Gefäßes zeigt auf der Wandung ein aufwendiges Dekor. Alternierend schmücken hängende Blüten und Zungen den unteren Bereich. Mittig ist ein Fries angebracht. Etwas eingezogen erhebt sich darüber ein hoher, leicht nach außen gebogener, achtfach ausgeschnittener Rand, der von einem schmalen Regénce-Fries eingefasst wird. Die Lappen sind in Wiederholung außen mit dem gegossenen Kopf einer Mondgöttin verziert. An zwei Seiten sind an der Außenwandung mittig zusätzlich Löwenmasken als Befestigung für zwei, seitliche Scharniergriffe angebracht. Im Inneren ist der Monteith vergoldet. Des Weiteren befindet sich mittig am Boden eine leere, gravierte Kartusche. Wahrscheinlich in Vorbereitung für eine mögliche Besitzergravur.

Das hauptdekorative Motiv des Weinglaskühlers ist eine Mondgöttin, sehr wahrscheinlich Selene (Lat.: Luna). Selene, genannt oft die „schöngelockte Selene“ (nach der Homerischen Hymne an Helios) wird mit einer Mondsichel dargestellt – hier auf ihren Haaren. Die unterschiedlichen, detailreichen Régence Motive, die Selene umrahmen, schließen sehr elegant das dekorative Programm ab.

Gläserkühler (Monteith)

Während eines service à la française standen die Trinkgefäße nicht auf dem Tisch bei den Speisenden. Wollten diese trinken, so mussten sie sich an einen Bediensteten wenden, welcher am Buffet ein frisches Glas mit einem Getränk füllte und es anschließend auf einer Kredenz servierte. Manche Getränke wurden jedoch nur gekühlt getrunken, daher mussten die Gläser temperiert werden. Dafür wurden spezielle Gefäße, die Gläserkühler, mit Eiswasser gefüllt. Der eingeschnittene Rand ermöglichte es die Gläser kopfüber einzustellen, sodass der Kelch im kalten Wasser heruntergekühlt werden konnte.

Die Form des Gläserkühlers wurde erst im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts gebräuchlich. Angeblich kam er zunächst in England und nicht – wie man vermuten würde – in Frankreich auf. Die Bezeichnung des Gefäßes als „monteith“ leitet sich von einem schottischen Edelmann ab und wurde 1683 zum ersten Mal erwähnt:

This year in the summertime came up a vessel or bason notched at the brim to let drinking vessels there by the foot, so that the body or drinking place might hang into the water to cool them. Such a bason was called a Monteigh from a fantastical Scott called Monsieur Monteigh who at that time or a little before wore the bottome of his cloake or coat so notched”.

Zitat: Auszug aus dem Tagebuch von Anthony à Wood (1632-1695) für Dezember 1683, nach Pechstein 1987, S. 177-8.

Meister: Johann Friedrich Breuer war Silberarbeiter sowie Gold-und Silberschneider. Breuer war evangelisch und wurde in Breslau geboren. 1705 wurde er Meister. Ein Jahr später heiratete er Jakobina Renner. Johann Friedrich Breuer starb 1753.

Der Helga Matzke Kunsthandel präsentiert aktuell einen weiteren Weinglaskühler von Johann Friedrich Breuer.

Literatur

Karl Hernmarck: Die Kunst der europäischen Gold- und Silberschmiede von 1450-1830, München 1978.

Helmut Seling: Die Augsburger Gold- und Silberschmiede 1529 – 1868. Meister Marken Werke, München 1980 und 2007.

Klaus Pechstein et al. (Hg): Schätze deutscher Goldschmiedekunst. Vom 15. bis zum 20. Jahrhundert aus dem Germanischen Nationalmuseum, Berlin 1987.

Hans Ottomeyer (Hg): Die öffentliche Tafel. Tafelzeremoniell in Europa 1300 – 1900. Begleitband zur Ausstellung. Wolfratshausen 2002.