Außergewöhnliche Kreation eines Schreibtischleuchters mit zwei verstellbaren Armen an einer Eisenschiene

Objektnummer: #724

Augsburg 1751/53
Johann Jakob Adam

Stadtzeichen: ein „Pyr“ mit „K“ unten für Augsburg, Periode 1751/53 (Seling 2007, Nr. 2040)
Meisterzeichen: „IIA“ im Oval für Johann Jakob Adam (Seling 1980, Nr. 2385)

Höhe: 40 cm; Gewicht: 830 g.

Provenienz: Ehemalige Herzoglich Sächsische Hofsilberkammer Coburg (Ernestinische Herzogtümer – Haus Wettin); Nachlass Dr. Helmut Seling, München.

Lit. und Abb.: Seling 1980, Bd. I, S. 178; Bd. II., Abb. 836.

Detaillierte Informationen

Der vorliegende Leuchter präsentiert eine sehr besondere, außergewöhnliche Arbeit der Augsburger Goldschmiede und zeugt von dem kreativen Genie der Augsburger Goldschmiedemeister. Es handelt sich um einen Schreibtischleuchter mit zwei Armen, die auf einer Eisenschiene angebracht sind. Man kann somit die Höhe der Kerzenhalter einstellen.
Der runde, gewölbte, gegossene Fuß bildet einen Sockel von großzügigen Voluten in Abwechslung mit einem spitzenartigen Zungenfries und naturalistischem Blattwerk. Die Äste der drei Blätter reichen bis zum Anfang des Schaftes (bzw. der Eisenschiene) hoch. Als Schaft dient hier eine feine, hohe, brünierte Eisenvierkantschiene, die in der konkav hochgezogenen Fußwölbung sitzt. Zwei verstellbaren, gegossenen, geschwungen und silbernen Arme tragen eine blattförmige, getriebene Tülle mit ihrem ebenfalls getriebenen, blattförmigen Tropfteller. Die Schraubzwingen sind mit silbernen Blattrocaillen versehen. Die Schiene wird mit einem Silber gegossenen Rocaillenknauf gedeckt. Die Marken sind an allen silbernen Teilen des Leuchters ligiert.

Im Bereich der bekannten Silberleuchter des 18. Jahrhunderts ist der vorliegende Schreibtischleuchter von Johann Jakob Adam ohne Parallele. Die einzigartige Benutzung einer Eisenschiene als Schaft erinnert an frühe, einfachere Leuchter aus unedlen Metallen gefertigt (z.B. Eisen). Diese wurden sowohl in Frankreich (s. z.B. ein Leuchter im Musée Le Secq des Tournelles ausgestellt, Inventarnummer: LS.1855 und D’Allemagne, 1968, Pl. 320 aber vgl. auch Pl. 309c.) und England als auch in Deutschland von Hufschmieden produziert und wurden von Haushalten mit bescheidenen Inneneinrichtungen verwendet. Die Kombination von Eisen und edleren Metallen wird später, insbesondere in Frankreich (s. Werke des beginnenden 19. Jahrhunderts mit dem Beinamen „Palais Royal“) öfters begegnet. Die Frage warum Johann Jakob Adam, ein sehr geschickter Meister, diese Form gewählt hat, bleibt noch offen. Vielleicht ist diese Wahl mit dem Auftraggeber verbunden.

Stilistisch ist der Leuchter nicht nur der Rokoko-Stilrichtung treu, sondern auch den persönlichen Ornamenten und dem Vokabular des Meisters. Johann Jakob Adam hat oft Objekte in Blätterform gefertigt (s. z.B. zwei seiner Schokoladenservices im Seling, 1980, Bd. II, Abb. 878 und 879). Darüber hinaus hat er unterschiedliche Materialen einmalig kombiniert. Ein bekanntes Beispiel dafür ist ein Jagdpokal in der Schatzkammer der Münchner Residenz, für den Kurfürsten Max III. Joseph wahrscheinlich gefertigt (s. Inschrift; s. Seling 1980, Bd. II, Abb. 1003). Seine künstlerische Präferenz liegt bei sehr feinen und dekorativen Arbeiten, (s. im The Metropolitan Museum of Art, ein sehr feiner Eierbecher), wie bei dem vorliegenden Leuchter.

Meister: Johann Jakob Adam wurde um 1720 in Memmingen geboren und war sowohl dort als auch in Augsburg tätig. Er starb 1791 in Augsburg. Viele seiner Werke befinden sich in Museen in Deutschland und im Ausland, z.B. in der Schatzkammer der Münchner Residenz, im Bayerischen Nationalmuseum und im Metropolitan Museum of Art.

Literatur
Caspall, John, Making Fire & Light in the home pre-1820, Woodbridge: Antique Collectors’ Club, 1987.
D’Allemagne, Henry René, Decorative Antique Ironwork: A Pictorial Treasury, intr., bibl. & transl. by Vera K. Ostoia, New York: Dover Publications, 1968.
Seling, Helmut, Die Augsburger Gold- und Silberschmiede 1529-1868, Bd. I-III, München: Beck Verlag, 1980 und 2007.