Silberne, runde Wärmeglocke Grossen Formats mit Platte, aus der Dresdner Hofsilberkammer

Objektnummer: #1000

Dresden 1767
Meister: Gebrüder Schroedel
s. Rosenberg, Bd. II, Nr. 1671, 1710, 1816
Provenienz: Aus dem sogenannten „Familiensilber“ des Kurfürsten Friedrich August III (1750-1827)
Gekennzeichnet „FA“ unter Kurhut (eingraviert).

Glocke: Höhe 26 cm (mit Knauf); Durchmesser 39 cm; Ordnungsnummer „1“ (eingraviert)
Platte: Durchmesser 42,3 cm, Ordnungsnummer „8“ (eingraviert)
Gewicht: zusammen 5.160 gr.

Zu den Gewichtsangaben :
Im 18. Jahrhundert war die Einheit für die Gewichtsbestimmung die Mark. Eine (Kölner) Mark hatte z.B. 233, 86 g. Ein Lot war der 16. Teil einer Mark gleich 14,6 g. Ein Pfennig war 1 g.

Detaillierte Informationen

Silberne, runde Wärmeglocke großen Formats mit Platte, aus der Dresdner Hofsilberkammer

Friedrich August III. (I. Sachsen) (1750-1827)

Friedrich August III. war der zweite und einzige, überlebende Sohn des Kurfürsten Friedrich Christian (1722-1763) und seiner Gemahlin Prinzessin Maria Antonia Walpurgis von Bayern (1724-1780). Sein Vater hat 1763 die Macht von Friedrich August II. übernommen, er ist aber 3 Monate später gestorben.

Friedrich August III. übernahm für 59 Jahre die Macht – und damit hatte er die längste Regentschaft aller Wettiner. 1769 heiratete Friedrich August Maria Amalie Auguste, Pfalzgräfin von Zweibrücken-Birkenfeld-Bischweiler (1752-1828), Schwester des Königs Maximilian I. Joseph von Bayern. Das königliche Paar hatte vier Kinder, aber nur eine Tochter, Maria Augusta von Sachsen, hat überlebt.

Kurfürst Friedrich August III. hatte 1791 die angetragene, erbliche, polnische Königswürde abgelehnt. Er wurde 1806 durch Napoleons Gnaden König Friedrich August I. von Sachsen und 1807 wurde er zum Herzog von Warschau ernannt.
Nach den napoleonischen Kriegen wurde Sachsen durch ein russisches und danach ein preußisches Generalgouvernement verwaltet, verlor zwei Drittel des Territoriums und ein Drittel seiner Bevölkerung. Die folgenden Jahre der Regierung Friedrich Augusts bis zum seinem Tod verliefen still.

Das Wettiner Hofsilber und das Monogramm „FA“

Der Hof der Wettiner in Sachsen öffnete sich in allen Bereichen der Lebensart den Einflüssen, die vom französischen Hofe Ludwigs XIV. in Versailles ausgingen, unter Kurfürst Johann Georg III. (1647-1691) und Kurfürstin Anna Sophia von Dänemark (1647-1717). Die Tafelkultur und insbesondere Silber Services zählten im besonderem Maße zu diesem glanzvollen und offiziellen Leben.

Während der Augusteischen Ära begann am sächsisch-polnischen Hof unter Friedrich August I., benannt auch August der Starke, eine einzigartige Prachtentfaltung, vom Hof in Versailles besonders beeinflusst. Dresden blieb auch nach dem Erwerb der polnischen Krone der Sitz der Regierung und auch der Hauptstandort der Hofsilberkammer, die steigende Bedeutung gewann. Silberaufträge wurden vorwiegend in Gold- und Silberschmiede in Dresden verteilt.
gegeben und zwar an die Brüder Carl David und Friedrich Reinhard Schrödel.

Die Service aus Silber mit dem „FA“ Monogramm bilden einen einheitlichen Stil und könnten auch als zusammengehörig bezeichnet werden. Sie bilden das sog. Familiensilber „von Schrödel“ ein. Die Gegenstände aus Silber aus der Service der Wettiner tragen zusätzlich zu dem Monogramm Inventarnummer und Gewichtsangaben.

Wettiner Silber im Wandel der Zeit

Die Dresdner Hofsilberkammer existierte noch in ihrer damaligen Gesamtheit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und der Abschaffung der Monarchie. Sie war zweifellos eine der reichsten ihrer Art in Deutschland. 1919 wurde alles was die Wettiner in Sachsen besaßen vom Staat beschlagnahmt. Nach 1924 gelangte die Hofsilberkammer in den Besitz des Familienvereins Haus Wettin Albertinische Linie e.V., dessen Verwalter Prinz Ernst Heinrich von Sachsen, Herzog zu Sachsen (1896-1971) war.

Mit dem Anfang und Fortsetzung des zweiten Weltkrieges wurden die Kunstwerke zum Mittelpunkt der Rettung. 1944 wurde ein Teil des Wettin-Silbers in Holzkisten gelagert und mit Hilfe sechs französischer Kriegsgefangener vergraben (insgesamt 43 Kiste) oder in der Kirche in Reichenberg versteckt. Doch wurden viele Silbergegenstände aus den Wettiner Schätzen eingeschmolzen sowie andere nach 1946/47 nach Russland als Kriegsbeute gebracht.

Nach dem Kriegsende kamen in den 1990er Jahren einige Objekte zurück nach Deutschland. Andere Gegenstände und Kunstwerke aus der Silberkammer der Wettiner wurden auf dem schwarzen Markt und in unterschiedlichen, herausragenden Auktionen durch die Welt verkauft.

Die faszinierte Geschichte der Sammlung sowie die Änderungen der Besitzverhältnisse über die Jahrzehnte verleiht dem Wettiner Silber besonderen Charakter und eine gewisse Legende.