Augsburger Silber vergoldete Tischglocke

Objektnummer: #403

Augsburg 1719-20

Lorenz II Biller (c. 1649-1726)

Beschauzeichen: „Pyr“ für Augsburg, 1719-20 (Seling 1980 Nr. 179)

Meistermarke: „LB“ mit Stern für Lorenz II Biller (Seling 1980 Nr. 1753)

H.: 8 cm; Gewicht: 95 gr

Detaillierte Informationen

Augsburger Silber vergoldete Tischglocke

Diese schöne, Augsburger, Silber, vergoldete Tischglocke ist sehr fein geschmückt. Der Körper ist rund und der Mantel ausladend. Der Körper ist in zwei Felder geteilt. Der untere, breitere Teil ist mit getriebenen Akanthusblättern und Voluten auf einem punzierten Hintergrund dekoriert. Der obere Teil mit langen Zungen. Der gegossene Griff ist gerade und mit einem Knop als Bekrönung verziert. Innen mit eingehängtem Klöppel.

Kulturgeschichte der Glocke

Die Glocke hat eine jahrhundertelange Kulturgeschichte und ist nicht nur eine Schöpfung christlicher Kultur des Westens. Glocke bezeichnet man jenes Klanginstrument – meist ein kelchförmiges Gefäß, welches nach unten offen ist und im Inneren, durch einen Klöppel, der schwingt, zu klingelnden Tönen gebracht wird. Sie wurden oft in kultischen und religiösen Handlungen vieler Religionen einbezogen.

Im weltlichen Bereich wurden Glocken vielfach als Signalinstrumente benutzt. Seit dem Mittelalter kennt man die Glocken als Aufruf zum Steuerzahlen; die Bierglocke als Signal der Öffnung der Schänken; die Sturmglocke als Alarm bei einem Unwetter oder sonstiger gefährlichen Situation.

Tischglocken aus Silber

Kleine Glocken dienten unter anderem den Monarchen, den Politikern im Parlament sowie den Richtern im Gerichtsaal. Sie wurden auch allmählich Teil des Tafelgeschirrs als sog. Tischglocken. Als dieser haben sie sich insbesondere seit der Renaissance verbreitet. Am Anfang waren Tischglocken eher in Höfen gebraucht. Der Bedarf an silbernen Tischglocken stieg seit dem 17. und vor allem dem 18. Jahrhundert.

Meister

Lorenz II. Biller, Goldschmied, Sohn des Lorenz I., evangelisch, geboren um 1649. Meister wurde er um 1678 und heiratete im gleichen Jahr. 1726 starb er. Seine Werke befinden sich in wichtigen deutschen und internationalen Museen.

Literatur

Lange, Anselm, Europäische Tischglocken: klingende Kostbarkeiten vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit Beiträgen aus der Kulturgeschichte der Glocke, Kornwestheim: Minner-Verlag, 1981.