• Reisekoffer Silber, Augsburg 17. Jh.
  • Augsburger Reisekoffer Silber, 17. Jh.
  • Reise Silber, Reiseservice, 17. Jh.

Augsburger Reisekoffer mit Silber vergoldeten Objekten

Object Number: #186

Augsburg ca. 1690

Peter Neuss II, Tobias Hallaicher

Beschauzeichen: „Pyr“ für Augsburg, 1689 (Seling Nr.142 )

Meisterzeichen: eine Margerite für Peter Neuss II (Seling 2007, Nr. 1842); „HTS“ im Schild für Tobias Hallaicher (Seling Nr. 1739)

Gewicht: ca. 1050 g; verschiedene Dimensionen: 8-20,5 cm (3,15-8,07 in.)

Detaillierte Informationen

Augsburger Reisekoffer mit Silber vergoldeten Objekten

Der Augsburger Reisekoffer mit den passenden Silber, vergoldeten Objekten aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert ist 9-teilig. Er besteht aus folgenden Teilen: eine Deckelschale, ein Breitrandteller, ein Doppelbecher, ein Tellerfußleuchter, ein Salzgefäß, ein Messer, eine Gabel, ein Löffel und eine Dochtschere. Die Teile sind  in einem originalen, mit Leder bezogenen Holzkastenkoffer, innen mit angepassten Einsätzen, untergebracht.

Alle Objekte sind sehr schlicht gearbeitet und weisen für das Ende des 17. Jahrhunderts typische Merkmale auf. Die Objekte sind vergoldet – ebenfalls typisch für Reiseservices. Die Marken sind auf allen Teilen legiert.

Der Korpus der Deckelschale hat keinen weiteren Zierrat, außer den zwei gegossenen, naturalistisch gestalteten, seitlichen Henkeln. Dadurch wird ihr wunderbarer, gegossener Schlangengriff auf dem gewölbten und mit Ringen dekorierten Deckel schön abgehoben. Der Teller ist glatt belassen und hat einen breiten Rand. Der Leuchter hat eine entsprechend glatte Oberfläche und steht auf breitem Tellerfuß, am Rand leicht hochgezogen. Dieser ist weiterhin mit zwei Ringen dekoriert. Darüber hebt sich ein Glockenförmiger Schaft, der mit drei Balustern dekoriert ist. Die Tülle ist ebenfalls glatt belassen. Das runde, mit einer tiefen Mulde gestaltete Salzgefäß ist mit breiten Rändern oben und unten dekoriert, die jeweils zwei tiefe gravierte Ringe tragen. Die Gabel und der Löffel haben eine, typische für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts, dreiteilige Griffendung (Gänsefußendung): eine längere, mittlere Spitze, die von zwei kürzeren, seitlichen Spitzen eingefasst wird. Die Gabel weist eine quadratische Zinkenform auf. Der Messergriff ist rund und Silber vergoldet, während die eiserne Klinge abgeschraubt werden kann. Der halbrunde Kasten der hochqualitativen Dochtschere ist ebenfalls ohne jeden Zierrat.  Der Doppelbecher besteht aus zwei kugeligen Körpern – dem Tummler verwandt – die zusammengesteckt werden können. Die gedrehten Züge der Wandung sind im Wechsel mit einem mattpunzierten – als Schlangenhaut benannten und glattbelassenen – Dekor und profilierten Rand versehen.

Alle Teile sind in vorgesehen, mit rotem Samt gefütterten Einsätzen im originalen Koffer rangiert. Dieser schließt mit Messingbeschlägen und hat oben einen Griff. Bei dem Koffer handelt es sich um eine hochqualitative Ausführung von Lederwaren (maroquinerie). Das Etui ist mit Leder in Bordeauxroter Farbe bezogen. Auf dem Leder sind Intarsien von Blumen und naturalistischem Dekor geritzt und gepunzt, mit Resten von goldener Farbe. Der Koffer hat sowohl geschlossen als auch offen einen beeindruckenden Effekt.

Reiseservice: Ein Objekt des 17. und 18. Jahrhunderts

Reiseservices wurden gegen Ende des 17. Jahrhunderts immer häufiger produziert. Ihre eigentliche Verbreitung gewann insbesondere im 18. Jahrhundert an Bedeutung. Reiservices sind kleine Koffer, die transportiert werden können und die die absolut notwendigsten Objekte während des Reisens (die „nécessaires“/Notwendigen) beinhalten.

Bei diesen Objekten handelt es sich um Meisterwerke,  von mehreren Spezialisten hergestellt: Kunsttischler, Goldschmiede, Spiegelhersteller und Lederwarenhersteller. Der Zweck der Reiseservice ist möglichst viele Objekte in einem möglichst kleinen Raum unterzubringen.

Reiseservices sind in Unterkategorien geteilt: für Kaffee- und Tee, für das Schreiben, für das Essen, für die Damentoilette, usw. Der ästhetische Aspekt steht immer im Vordergrund und deswegen sind die Objekte meistens aus Silber, vergoldetem Silber, Gold und anderen preziösen Materialien.

Wenn der Auftraggeber eine bedeutende Persönlichkeit war, konnte auch er  den Koffer aktiv gestalten. Auf jeden Fall ist es so, dass, in erster Linie für größere Reisekoffer, die silbernen Objekte von mehreren Meistern hergestellt wurden.

Ein sehr aufwendiges, großes Reiseservice aus Augsburg, Mitte des 18. Jahrhunderts, ist im Deutschen Historischen Museum zu sehen.

Meister

Peter Neuss II, wird 1689 Meister. Tobias Hallaicher, evangelisch, Goldschmied, Sohn des Hans Ludwig Hallaicher wurde 1645 getauft. 1676 wurde er Meister und heiratete im gleichen Jahr. Er starb 1691.

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