Sechs Kaffeelöffel im originalen Etui, Silber vergoldet

Objektnummer: #

Straßburg, ca. 1780
François Daniel Imlin

Stadtzeichen: Lilie unter 13 (ähnlich wie bei Rosenberg Nr. 6934)
Meisterzeichen: „IMLIN“ in einem länglichen Schild für François Daniel Imlin (s. Kat. Ausst. Deux siècles d’orfèvrerie à Strasbourg, S. 301)
Jahreszahl: „I“ unter Lilie

Länge: 14 cm; Gewicht: 180 g

Prov.: Sammlung Dr. Helmut Seling, München

Detaillierte Informationen

Die Löffel entsprechen den stilistischen Tendenzen des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Ein Stiel, der mit umlaufendem Faden gesäumt wird. Ein besonderes Merkmal ist die Endung des Griffes in Form einer Muschel das an frühere dekorative Motive des Rokoko erinnert. Bei allen Löffeln ist ein kunstvolles Wappen unter Krone eingraviert. Die Laffe ist eierförmig. Der Satz von Löffeln ist in einem Etui untergebracht, dessen Form dem Inhalt nachgeformt ist. Das Etui ist aus Holz, mit Leder bezogen und mit Blumendekoration im Gold geprägt. Innen mit Einsatz aus rotem Samt. Der Deckel schließt mit zwei Messingbeschlägen. Die Marken sind auf der Unterseite des Stiels ligiert.

Das Straßburger Vermeil erlangte internationale Bedeutung besonders im 18. Jahrhundert. Die exzellente Qualität der straßburgischen Vergoldung und seine Widerstandsfähigkeit gegen Oxidierung machen das vergoldete Silber aus Straßburg vielseitig verwendbar. Außerdem wurden in Straßburg keine Zollgebühren für exportierte Objekte erhoben und dies hatte zur Folge, dass auch die deutschen Höfe, die sich mittlerweile an der französischen Mode orientierten, Silberobjekte aus Straßburg erwarben. All dies hat dazu beigetragen, dass mehrere Reisekoffer von herausragender Qualität in Strasbourg hergestellt wurden. Viele Beispiele in deutschen Museen zeugen für die intensiven Kontakte zwischen deutschen Höfen, bzw. Adeligen, und den Straßburger Meistern, bzw. insbesondere François Daniel Imlin. Siehe beispielsweise in den Sammlungen der Darmstädter Silberkammer und des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe.

Für ein ähnlich ausgeführtes Reisebesteck im Etui aus dem Jahr 1795 wahrscheinlich aus dem Besitz des Landgrafen Ludwigs X. von Hessen-Darmstadt (reg. 1790-1830), s. Hessische Hausstiftung – Museum Schloß Fasanerie, Die Darmstädter Silberkammer: Werke alter Edelschmiedekunst, Kat. zur Sonderausstellung vom 07.07. bis 31.10.2007, S. 124-5.

Meister: François Daniel Imlin (1757-1827) wurde 1780 Meister. Er war Sohn des Georges Frédéric Imlin und Vater des Emmanuels Frédéric Imlin. François Daniel Imlin hat sehr schöne klassizistische Objekte hergestellt. Siehe z.B. zwei klassizistische Leuchter von ihm im Ausstellungskatalog Deux siècles d’orfèvrerie à Strasbourg (Nr. 96 und Nr. 97). Eine Ecuelle von Fr. D. Imlin ist dort ebenfalls abgebildet (Nr. 42). Die Familie Imlin hat mehrere Reisekoffer für Adlige hergestellt. Die Objekte waren fast immer aus Vermeil und die Reisekoffer beinhalteten immer unterschiedliche Objekte.